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Kritik an Kostensteigerung bei Stadthallen-Sanierung

Wie Oberbürgermeister Köhler am Freitag bekannt gab [die Ratsfraktionen wurden darüber schon am Mittwoch informiert], werden die Kosten für die Stadthallensanierung um 10 Millionen Euro auf 29,5 Millionen Euro steigen (HNA 01.02.2019, GT 03.02.2019, Pressemitteilung der Stadt 01.02.2019 mit nachträglichen Änderungen).

Die PIRATENundPARTEI-Ratsgruppe sieht damit, so teilt sie in einer hier wiedergegebenen Pressemitteilung vom 02.02.2019 mit, ihre Befürchtungen wahr geworden, dass die Sanierung des „Kachelofens“ deutlich teurer werden würde als noch vor zwei Jahren angesetzt. Francisco Welter-Schultes (PIRATEN) hält die Kostensteigerung ebenfalls für unerfreulich, sieht in einer Forderung nach einem Neubau jedoch keine Lösung.

Die Pressemitteilung der Ratsgruppe im Wortlaut, darunter ein kurzes Statement von Welter-Schultes.

Als Begründung nennt die Stadt gestiegene Baukosten sowie weitere bisher nicht kalkulierbare Kosten.

Wozu hat die Stadt für 500.000 Euro ein Gutachten in Auftrag gegeben, das bis ins kleinste Detail die genauen Kosten errechnen sollte, wenn es nun doch wieder deutlich teurer wird?„, fragt sich Dana Rotter (PIRATEN). „Wie kann man ausgerechnet die Kosten für die Bühnentechnik in einer Veranstaltungslokalität falsch berechnen oder vergessen eine mögliche Baukostensteigerung mit einzuplanen? Das sind Anfängerfehler und dürfen bei so einem großen Projekt einfach nicht vorkommen.“

Göttingen liegt damit aber immerhin im Bundestrend und eifert der Hamburger Elbphilharmonie oder Stuttgart21 nach. Wir dürfen gespannt sein wer günstiger und schneller fertig wird: Der Flughafen in Berlin oder die Stadthalle in Göttingen„, ergänzt Helena Arndt (Die PARTEI).

Laut Stadtverwaltung sollen 8 Mio. Euro der Mehrkosten über ein sog. Contracting aufgefangen werden. Dadurch würden energetische Komponenten wie Wärmeerzeugung, Kühlung und Lüftung an die Stadtwerke Göttingen ausgelagert werden. Für die Ratsgruppe ist das aber nur Augenwischerei, denn schließlich handelt es sich bei den Stadtwerken um eine städtische Tochtergesellschaft. Die Mehrkosten verschwinden damit vielleicht aus dem städtischen Haushalt, aber nicht aus der Gesamtkostensteigerung.
Die Ratsgruppe bezweifelt außerdem, dass es bei der nun veröffentlichten Kostensteigerung bleiben wird und geht davon aus, dass im Laufe der rund zweijährigen Sanierung noch weitere Kosten dazu kommen werden, die auch bei der aktuellen Nachberechnung nicht berücksichtigt wurden.

Wir warten noch auf den Tag, an dem bei weiteren Kontrollen der Bausubstanz festgestellt wird, dass man mit dem Gerippe der Stadthalle doch nicht arbeiten kann und alles abgerissen werden muss. Wir nehmen gerne Wetten an„, so Arndt.

Rotter und Arndt hatten bei der Ratsentscheidung am 12.05.2017 gegen die Sanierung der Stadthalle gestimmt. Allerdings nicht, weil sie gegen den Erhalt der Stadthalle oder gegen den Standort waren, sondern weil sie unkalkulierbare Mehrkosten befürchteten und von der Stadtverwaltung einen alternativen Plan für einen Neubau gefordert hatten, der dem Rat aber verweigert wurde.

Ein Jahrzehnt nach Bekanntwerden erster größerer Mängel durch verschiedene Gutachten hatte es die Stadtverwaltung plötzlich eilig und drängte damit die Ratsmitglieder zu einer schnellen Entscheidung. Die Auswahl: Schließung der Stadthalle oder eine Sanierung. Ein Konzept für einen Neubau verweigerte die Stadtverwaltung mit der Begründung dieser würde mehr als das Doppelte einer Sanierung kosten. Wenn es so weiter geht, hätten wir auch gleich neu bauen können. Dann hätten wir wenigstens wirklich eine neue Stadthalle und keinen aufgehübschten Bau aus den 60ern„, so Rotter.

Bis hierhin die Pressemitteilung der Ratsgruppe.

Die PIRATEN im Rat der Stadt haben in dieser Frage bislang keine einheitliche Meinung vertreten. Francisco Welter-Schultes (PIRATEN) hatte im Rat am 12.05.2017 zusammen mit SPD, Grünen und Göttinger Linken für die Sanierung gestimmt, und hält diese Entscheidung auch weiterhin für richtig.

Nach meiner Einschätzung bliebe angesichs der Baukonjunktur auch ein Neubau nicht von Kostensteigerungen verschont. So hat auch der Landkreis wegen der derzeit außergewöhnlich hohen Baukosten Pläne für einen Verwaltungsneubau vorerst aufgegeben. Bei der Kompostanlage musste gehandelt werden, man entschied sich gegen den Wiederaufbau der Altanlage und für einen Neubau. Die Kosten für den Neubau sind bereits vor Erteilung der Baugenehmigung schon von 11 auf 15 Millionen Euro gestiegen.

Die Kostensteigerung für die Stadthallensanierung ist unerfreulich, aber in einem Neubau sehe ich auch aus städtebaulichen Erwägungen keine Lösung.
Bei den aktuellen Trends in der Architektur erwarte ich nicht, dass bei einem Neubau ein Bauwerk entstehen würde, welches sich in einer ästhetisch ansprechenden Weise in das Ensemble von Cheltenham-Park, grünem Stadtwall und historischer Bebauung organisch einpassen und dadurch eine städtebauliche Bereicherung für den Albaniplatz darstellen würde. Es dürften noch Jahrzehnte vergehen, bis sich in Göttingen der von den Entscheidungsträgern bevorzugte Baustil ändern wird
„, so Welter-Schultes.

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