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Protokoll: Elektromobilität im Stadtbus (18.10.2016)

Verkehr GöttingenAm 18.10.2016 hielt Andreas Heuke von Volvo einen Vortrag zum Thema Elektromobilität an der Uni Göttingen. Daniel Isberner war für die Piratenpartei Göttingen vor Ort und hat protokolliert.

Elektromobilität ist ein wichtiger Faktor für die Stadtentwicklung und kann die Luftqualität in Göttingen stark verbessern. Langfristig ist ein kompletter Umstieg sinnvoll. Der Vortrag gibt einen Einblick in die Möglichkeiten, aus ihm ergibt sich aber nicht zwingend, dass ein System von Volvo angeschafft werden muss. Hier sind Vergleiche zwischen verschiedenen Anbietern und Systemen nötig.

Das Protokoll ist auch als PDF verfügbar.

 

Protokoll:

Vortragender direkt von Volvo, also auch Werbeveranstaltung.

Volvo PKW nicht mehr im Besitz von Volvo. Recht lange Besitzerkette seit dem ursprünglichen Verkauf an Ford. PKW und Busherstellung also nicht mehr gleiches Haus.

 

Expo 2010 Shanghai:

600 E-Busse

  • Teilweise jedoch so unwirtschaftlich, dass sie schon wieder außer Betrieb sind.

 

Schweiz:

Trägt ÖV (Öffentlichen Verkehr) mit 50% Zuschuss aus Steuermitteln.

 

Emissionen:

Geräusche:

Bei Bussen hauptsächlich beim Anfahren und im Leerlauf.

  • Hybridbusse fahren mit E-Antrieb an und nutzen den auch beim Leerlauf.
    • Geräuschentwicklung reduziert sich deutlich und ist auch für Anwohner besser erträglich

„Smog“

Bei langsamer Fahrt komplett elektrisch, daher keiner.

  • Busse können sogar Haltestellen in Gebäuden haben, bspw. in Einkaufszentren.

Anforderungen:

Unterscheiden sich, je nach Einsatzort, enorm.

  • Überland- und Fernverkehr werden noch lange Zeit auf Diesel angewiesen sein.

 

Wichtige Punkte im Stadtbus:

  • Akkulaufzeit
  • Wie viele Kilometer fährt ein Bus pro Einsatztag?
  • Ladezeiten zwischen Einsätzen
  • Batterielebensdauer

 

Verschiedene System (eigentlich wieder verworfen und nicht weiter für Betrieb geplant)

China (Sunwin)

  • 40 Sekunden Schnelladung pro Haltestelle
    • Normale Haltezeit im ÖPNV beträgt 15 Sekunden
      • Lange Stillstandszeiten an Haltestellen (Gift für jede Gewinn-/Verlustrechnung)
    • Geringe Kapazität

 

Batteriewechselsystem (Neue Batterie, wenn die alte leer ist)

  • Aufwändig
  • Bus muss immer wieder ins Depot
    • Leerfahrten sind teuer, weil keine Passagiere an Bord sind.

 

Trolleybus (mit Leitungen, wie Straßenbahn)

  • Enormer Bürokratieaufwand
  • Teuer (800.000 – 1.000.000€ pro Kilometer im Bau)

 

Volvo baut seit 2010 keine reinen Dieselbusse mehr

  • Standardhybrid seit 2010, Plug-In Hybrid seit 2016
  • Full Electro ab 2017 (aber mit 20 km Reichweite nur begrenzte Einsatzfelder)

 

Alternativen

  • Biogas
    • Mit 30% Wirkungsgrad für Busse ungeeignet
  • Erdgas
    • Gas“cocktail“ ständig anders.
      • Kann Motoren beschädigen.
        • Wartungsaufwand für Busse zu enorm.

 

Verbrauchsersparnis:

Hybrid spart mindestens 20%, meist mehr (abhängig von Strecke, Wetter etc.)

 

Plug-In Hybrid:

  • 7-8 km pro Ladung mit Elektro, individuell auf der Strecke planbar und zentrale Motorbefehlssteuerung vorhanden (später mehr zum Datenschutz und Hackern)
  • Wird als ganzes, geplantes System verkauft
    • Weniger Flexibilität bei kurzfristigen Linienneuplanungen
      • Allerdings nur bei Start- und Endhaltestelle

Beispiele:

  • Hamburg Linie 109

 

Batterien

  • Höhere Sicherheitsanforderungen bei Bussen gegenüber PKWs
    • Volvo nutzt LTO-Batterien
      • Weniger Leistung im Austausch
    • Preise werden in den nächsten 15 Jahren nicht signifikant fallen
      • Komplett neue Batterietechnologie muss her
        • Noch im Entwicklungs-/Experimentierstadium
      • 4 – 8 Jahre Lebensdauer, je nach Nutzung
        • Überwachung des Zustands zentral durch Volvo über Handynetz und verbaute SIMs

 

Ladezeiten Elektrohybrid

  • 7 Minuten an jeweiligen End- und Starthaltestellen
    • Bis zu 7 Busse pro Stunde pro Station

 

Ladestationen

Stromlos wenn nicht im Ladezustand wegen Unfallgefahr

 

Fehlerquellen in Bussen

  1. Türsteuerung
  2. Keilriemen
    1. im Hybrid nur noch einer vorhanden, senkt Ausfallrate

 

Sonstiges

  • Hybridbusse werden über Nacht an Ladestationen angeschlossen, aber nur bei 100% gehalten, um dann vor Fahrtantritt automatisch aufgewärmt zu werden
    • Auch Dieselbusse werden 20 Minuten vor Fahrtbeginn eingeschaltet
  • Systeme, die den hybriden Verbrennungsmotor zum Laden nutzen sind ineffizienter als Systeme mit Ladestationen
  • Übernachtladung (vollständig im Vergleich zum Balancing) verursacht extreme Verbrauchsspitzen und punktuellen Stromverbrauch
    • 1 Fuhrpark in Hamburg würde so viel Energie brauchen, wie das gesamte U-Bahnnetz
      • Es gibt 7 Fuhrparks …

 

Zentrales Überwachungs- und Steuerungssystem

  • Jederzeit einsehbar, wie schnell der Bus fährt
  • Höchstgeschwindigkeit und Elektroantriebseinsatz auf einzelnen Streckenabschnitten steuerbar (bspw. vor Krankenhäusern oder Schulen sinnvoll)
  • Zahl der Fahrgäste jederzeit im Blick
  • Ermöglicht flexible Umgestaltung von Einsatzzeiten und Busbedarf im Sekundentakt
  • Datenschutz problematisch, kann gehackt werden

 

Standards

  • Kein offizieller Ladestandard vor 2019 in Sicht
  • Inoffiziell existiert bereits ein offener Standard
    • Offene Schnittstelle

 

Anschaffungskosten

  • Bund fördert 35 – 55 % der Mehrkosten von Elektrobussen gegenüber Dieselbussen
  • Durch geschicktes Ausschöpfen von Töpfen sind hier auch Doppelförderungen über Land und Bund möglich
  • Volvo vermietet Batterien, statt sie an die Busunternehmen zu verkaufen
    • Batterien werden bei Bedarf einfach ausgetauscht
    • Abhängigkeit von Volvo
      • Kostenexplosion möglich, wenn Erstvertrag ausläuft und neuer her muss

 

Nächster Vortragstermin in der Reihe

 

8.11. vom DLR

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