Thema von heute: Flächennutzungsplan

Wer da war: 4 Leute, darunter komplett der Vorstand.

Ratspirat Martin hatte in einer Rundmail vorher 3 Fragen gestellt, die wir abgearbeitet haben. Ein 4. Punkt von Francisco kam dazu.
Dies ist ein Vorschlag, wie eine Piratenposition dazu aussehen könnte.
Alle sind aufgerufen, daran weiter zu arbeiten und ihre Meinung zu den Punkten zu äußern.

2015-02-24_fnp-wohngebiete
Göttinger Stadtgebiet. Aktueller Vorschlag der Verwaltung zur Ausweisung von Wohngebieten, um die Nachfrage nach 4000 Wohnungen zu befriedigen.
Dunkelgrün: zusätzliche Wohngebiete.
Hellgrün: optionale Flächen, wenn andere gestrichen werden.

1.) Wollen wir neue Wohnungen (also wachsen) oder soll der Wohnraumbedarf im Land gedeckt werden?

Wir sind für die erste Option.

2.) Wollen wir „verdichten“? Also Grünflächen überbauen und aus 1-2 stöckigen Gebäuden 5-6 stöckige Gebäude machen.

Grünflächen weiter zerstören nein. Es reicht jetzt.
Höhere Häuser: ja, kommt aber drauf an, wo. In manchen Gegenden geht das.
Wir kritisieren den phantasielosen SPD-Einheitsbaustil, der eine geringe Akzeptanz für höhere als 4stöckige Gebäude zur Folge hat. Mit kreativerem und qualitativ hochwertigerem Baustil hätte die Stadt mehr Möglichkeiten, höhere Häuser zu bauen. Der SPD-Filz verbaut sich buchstäblich selbst viele Optionen.
Wohnraum statt Gewerbe: was bringt mehr Steuern pro Quadratmeter? Muss ich mehr Arbeitsplätze ansiedeln als Arbeitnehmer in meiner Stadt wohnen können?

3.) Wollen wir „Flächenverbrauch“, also die vorhanden unbebauten Flächen in Umland der Stadt mit Wohnungen etc. zubauen?

Tendenziell eher nicht. Keine Ausweisung von Neubaugebieten in Bergdörfern und südlich von Geismar.

4.) Wollen wir Bovenden und Rosdorf in die Planung einbeziehen?

Ja, wäre wichtig bei der Suche nach potentiellem Wohnraum. Bovenden liegt näher an den Arbeitsplätzen der Nordstadt als Süd-Geismar.
Forderung, die FNP-Planung zunächst auf Eis zu legen und erstmal zusehen, dass Verantwortliche aus Bovenden und Rosdorf mitplanen. Danach in der Planung weitermachen.
Die derzeitige Raumplanung innerhalb der Stadtgrenzen erscheint unprofessionell.

Im Detail.

1.) Wollen wir neue Wohnungen (also wachsen) oder soll der Wohnraumbedarf im Land gedeckt werden?

Prognostiziert ist eine Bevölkerungsabnahme im Landkreis um etwa 15 %, bei gleichzeitiger Stagnation in der Stadt.
Der Wohnraumbedarf in der Stadt steigt (a) weil der Quadratmeter-Bedarf pro Person steigt, (b) wegen der Landflucht.
Wie die anderen Parteien sind auch wir dafür, dass die Bevölkerungsabnahme auf dem Land nicht angehalten werden kann. Es ist gut, wenn mehr Leute in die Stadt ziehen. Es wäre keine Zielsetzung im Sinne des Klimaschutzes, mehr Wohnraum auf dem Land auszuweisen. Dies erzeugt zu viel Verkehr. Die Entfernungen zwischen Wohn- und Arbeitsplatz müssen gering sein. Das spricht dafür, mehr Wohnraum in der Stadt zu schaffen.

2.) Wollen wir „verdichten“? Also Grünflächen überbauen und aus 1-2 stöckigen Gebäuden 5-6 stöckige Gebäude machen.

Grünflächen überbauen nein. Eine Stadt braucht Grünflächen im Kernstadtbereich, und Göttingen hat davon bereits jetzt zu wenig. Es sollen keine weiteren Grünflächen zerstört werden. Damit muss Schluss sein.
Bei den 200 gefällten Bäumen auf dem Leineberg ist die Stadt zu weit gegangen. Gegen die Fällung von 100 Bäumen auf dem IWF-Gelände. Auch der Kahlschlag am Groner Tor (60 hohe Bäume) macht die Stadt unattraktiver.

Verdichten: es kommt darauf an, wo. Nicht noch mehr einfallslose Bauklötze in die historische Innenstadt.
In einigen Gegenden (Beispiel Wörthstraße) könnte man durchaus aufstocken.
Im Prinzip könnte eine Stadt wie Göttingen auch heute Wohnhäuser bauen, die 6 oder mehr Stockwerke haben.
Das Problem ist die fehlende Akzeptanz für hohe Bebauung. Die Ursache dafür liegt im phantasielosen SPD-Einheitsbaustil. Die Menschen haben nicht unbedingt etwas gegen die Höhe, jedoch vielmehr gegen den Baustil.
4 Stockwerke wirken im SPD-Einheitsbaustil so abschreckend wie 40.
Wir nennen das SPD-Einheitsbaustil, weil wir in der überall verfilzten SPD die treibende Kraft hinter dieser Entwicklung sehen, und weil jegliche Individualität in der Architektur fehlt.

Immer wieder sitzen ein und dieselben Funktionäre in den Wettbewerbsjurys, immer wieder entscheiden dieselben Leute, wie hier gebaut werden soll, immer wieder ein und derselbe einfallslose und billige Einheitsbrei. Brauweg, Zietenterrassen, Windausweg, Tecklenburgstraße, An der Lutter, Sparkasse Groner Tor.
Immer nur rechtwinkige Klötze in Quaderform, immer nur Flachdach, immer nur glatte Fassaden, immer nur Designerpflanzen, immer nur komplett versiegelter Boden, nirgends Brutplätze für Vögel, nirgends Raum für Fledermäuse, immer wieder ein und derselbe Abwasch, niedrigste städtebauliche Qualität auf historisch allerunterstem architektonischen Niveau.
Jede einzelne vorige Generation hat in dieser Stadt unter viel schwierigeren Bedingungen höherwertigere städtebauliche Leistungen erzielt.
Mit jedem zusätzlichen Bauprojekt im SPD-Einheitsbaustil wird die Stadt immer hässlicher und gleicht sich immer mehr jeder beliebigen Provinzstadt in China, Russland oder Argentinien an.

Wir fordern endlich ein Umdenken. Bauen mit Phantasie, kreative Baustile, Individualität, runde Formen, weg vom rechten Winkel, weg von der langweiligen Bauklotzform, höhere städtebauliche Qualität, Einbeziehung von Natur in Wohnbebauung. Hundertwasser mit hochwertiger Dachbegrünung, Gaudí und ähnliche Baustile als wegweisende Vorbilder.

Konflikt Wohnraum/Gewerbe: uns fehlen Infos, was pro Quadratmeter der Stadt wieviele Steuern bringt: Wohnraum oder Gewerbe. Klimapolitisch raumplanerisch wäre es sinnvoll, zunächst die Nachfrage nach Wohnraum zu befriedigen, und flächenverbrauchendes Gewerbe in der Priorität hinten anzustellen. Anscheinend gibt es ja genug Arbeitsplätze in der Stadt, es pendeln ja viel mehr nach Göttingen ein als raus, und es wollen mehr Leute in Göttingen wohnen. Offenbar brauchen wir dazu nicht noch mehr Gewerbe.

3.) Wollen wir „Flächenverbrauch“, also die vorhanden unbebauten Flächen in Umland der Stadt mit Wohnungen etc. zubauen?

Man muss nicht jede Nachfrage befriedigen. Es gibt eine starke Nachfrage nach Einfamilienhäusern. Es gibt auch eine starke Nachfrage nach Marihuana. Staatliches Handeln befriedigt manchmal nicht alles, wonach es eine Nachfrage gibt. Die Stadt sollte nicht ungebremst in die Fläche wuchern, auch die Dörfer im Umland sollten das nicht. Gegen die Ausweisung von Neubaugebieten südlich von Geismar, bei Groß Ellershausen, Hetjershausen, Nikolausberg, Roringen.

Wir sehen das Schaffen von neuem Wohnraum in Bergdörfern besonders problematisch, weil der Weg zwischen Wohnen und Arbeit von dort nicht mit dem Fahrrad zurückgelegt werden kann. Die Leute fahren selbst von Nikolausberg täglich mit dem Auto in die Nordstadt, obwohl alle 15 min ein Bus fährt. Es hat keinen Zweck, unter solchen Bedingungen noch mehr Wohnraum auf Bergen auszuweisen. Schon auf den Zietenterrassen war das problematisch. Autos, die auf einen Berg fahren, stossen noch mehr CO2 aus als welche, die Flachlandstrecken zurücklegen.

4.) Wollen wir Bovenden und Rosdorf in die Planung einbeziehen?

Ja. Forderung, die FNP-Planung zunächst auf Eis zu legen und eine gemeinsame Zukunftsplanung mit Rosdorf und Bovenden einzuleiten. Die Flächenfindung muss ausgeweitet werden und Entscheidungen müssen sich nach Entfernungen zwischen Wohn- und Arbeitsraum richten.
Die städtische Raumplanung muss den gesamten städtischen Raum umfassen. Das in die Raumplanung einzubeziehende Stadtgebiet geht über die Stadtgrenze hinaus. Wohnraumplanung muss mit Bovenden, Rosdorf und Teilen von Gleichen und Friedland abgestimmt werden.
Roringen und Hetjershausen sind stadtplanerisch gleichwertig mit Klein Lengden und Diemarden, Esebeck ist gleichwertig mit Reinhausen. Bovenden und Lenglern liegen sehr nahe an den Arbeitsplätzen im Göttinger Norden, näher als Süd-Geismar. Dort ließen sich potentielle Wohngebiete finden, die im Flachland liegen, und die von den Arbeitsplätzen aus mit dem Fahrrad oder einer Straßenbahn erreichbar wären.
Schienenbasierter Pendlerverkehr als ein Planungsziel.
Die Grenzziehung des Göttinger Stadtgebiets ist historisch bedingt und keine sinnvolle Grundlage für eine zielgerichtete Raumplanung in der heutigen Situation.
Selbst in Basel wird raumplanerisch länderübergreifend geplant: Frankreich, Deutschland, Schweiz. Es gibt eine ständige gemeinsame Kommission, diese stellt koordinierte Planungen sicher. Wohnen, Gewerbe, Pendlerverkehrsströme.
Es muss möglich sein, dass eine koordinierte Wohnraumplanung auch ein Gebiet 2 km jenseits der Göttinger Staatsgrenze umfasst. Zwischen Weende und Bovenden verläuft nicht die DDR-Grenze.

2 Kommentare zu “Montagstreffen vom 27.04.2015

  1. Komba Tunja

    Ist es nicht ohnehin so, dass die benachbarten Gemeinden beteiligt werden? Selbstverständlichkeiten zu fordern ist unprofessionell.

    • Stadtbaurat Thomas Dienberg antwortete am 7.5.2015 im Bauausschuss auf genau diese Frage, ja, man sei in Gesprächen mit den Gemeinden Rosdorf und Bovenden – auf die Nachfrage, ob die Göttinger Verwaltung wisse, ob diese auch an Flächennutzungsplänen arbeiteten, antwortete er, nein, das wisse er nicht. Es gibt also Gespräche, aber nicht über solche Inhalte.
      Am Montagstreffen am 28.4. hatten wir das nur vermutet (weil auf keiner der über 500 Seiten der FNP-Unterlagen auch nur angedeutet war, diese Gemeinden seien beteiligt), inzwischen ist es amtlich. Natürlich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass diese Gemeinden mit einbezogen werden müssen – und es ist die absolute Überraschung, dass das nicht gemacht werden soll.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.