Die Göttinger Piraten erneuern ihre Forderung, sämtliche Schaltpläne aller Göttinger Ampeln offen zu legen und ins Internet zu stellen. Anlass ist die sehr fragwürdige Gerichtsentscheidung zu einer angeblichen Rotlichtmissachtung mit Unfallfolge am Weender Tor.
Weder das Gericht noch die Staatsanwaltschaft hatten es in einem Prozess gegen die Beifahrerin wegen falscher Zeugenaussage für nötig befunden, die von der Stadt vorgelegten Ampelschaltpläne zu hinterfragen oder vor Ort zu prüfen.

Die angehende Juristin hatte guten Gewissens das ausgesagt, was sie gesehen hatte: Die Grüngabe einer Ampel am Weender Tor. Da ihre Aussage nicht mit dem angeblichen städtischen Schaltplan übereinstimmte, den die Stadt dem Gericht übermittelt hatte, wurde sie wegen Falschaussage zu 1.800 Euro Strafe verurteilt. Dies kam für die junge Frau faktisch einem Berufsverbot und dem Ende ihrer Karriere gleich. Erst nach über einem Jahr wird der Fall neu aufgerollt.

»Wir fordern nach wie vor im Sinne von Open Data die Offenlegung der Schaltpläne für alle Ampeln. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, schließlich finanziert sie auch die Erhebung dieser Daten. Jeder muss im Internet nachlesen können, wie eine Ampel eigentlich schalten sollte — und nachprüfen können, ob das auch vor Ort so stimmt«, so Angelo Perriello von der Arbeitsgruppe Ampelpiraten.
»Es kann nicht sein, dass durch geheime Falschinformationen, die von der Stadt an Gerichte übermittelt werden, die berufliche Zukunft von jungen, gut ausgebildeten Menschen zerstört wird.«

Erst nach Recherchen des Göttinger Tageblatts stellte sich ein Jahr später heraus, die Stadt habe dem Gericht für den Unfall am 16. Oktober 2015 einen veralteten Schaltplan von vor dem Umbau Ende 2014 vorgelegt. Die Göttinger Piraten hatten den Ende 2014 erfolgten Umbau der Weender Tor-Kreuzung und die ausgesprochen schlechte Ampelschaltung massiv kritisiert. Nach wie vor warten Fußgänger dort 83 Sekunden an den roten Ampeln.

Auch aktuelle Schaltpläne der Stadt stimmen nicht unbedingt mit den tatsächlichen Schaltzeiten überein. So kritisiert die Piratenpartei seit Jahren einen fehlgeschalteten Umlauf von 70 Sekunden an der Ampel am Nonnenstieg, welcher bewirkt, dass die Kreuzung seit 2011 nicht im Takt mit den Nachbarkreuzungen läuft. Diese haben einen Umlauf von 69 Sekunden. Bereits ebenso lange weigert sich die Verwaltung, den Fehler einzugestehen und behauptete bislang siebenmal im Bauausschuss, die Nonnenstieg-Ampel habe wie die Nachbarkreuzungen einen Umlauf von 69 Sekunden, weil dies so im Schaltplan stehe.