Gestern fand eine Informationsveranstaltung zu dem Thema Rekommunalisierung der EAM statt. Ich versuche hier, einige Punkte wiederzugeben, die ich interessant fand. Ich musste eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben, so dass ich viele Dinge nur sehr abstrakt schildern darf. Ich weiß nicht sicher, welche Informationen vertraulich sind und welche allgemein bekannt sind. Mit den Themen Strommarktregulation, Konzernverkäufe & Bewertungsverfahren bin ich nur mit laienhaften Kenntnissen ausgestattet. Meine Notizen beziehen sich auf den Informationsstand, wie er am 24. Oktober 2013 auf einer Veranstaltung (Regionalkonferenz) für Kommunalpolitiker im Süden Niedersachsens wiedergegeben wurde.

Strommast Quelle:Piratenpartei Berlin
Strommast Quelle:Piratenpartei Berlin
  • Was wird gekauft?

    • Das Stromnetz der ehemaligen EAM ohne den Vertrieb.

  • Warum wird das Strometz eigentlich verkauft?

    • Dabei handelt es sich um eine unternehmerische Entscheidung des Eon-Konzerns. Einen zwingenden Grund habe ich in den Unterlagen nicht gefunden. Bei dem Verkauf der alten EAM wurde den Kommunen ein Vorkaufsrecht eingeräumt. Es ist daher Nahe liegend mit diesen zunächst Verhandlugnen zu führen.

  • Wie wird der Kauf bezahlt?

    • Kommunen sind jetzt Anteilseigner der Firma E.ON-Mitte AG. Durch die Abspaltung der Vertriebssparte erhöht sich in vielen Fällen der Anteil an der Netzsparte. Diese Anteile werden als Eigenkapital eingebracht und der Rest soll über Kredite finanziert werden. „Bargeld“ soll nicht fließen, mit Ausnahme des Landkreises Eichsfeld. Die Kreditzinsen und Tilgungsbeträge sollen durch den Betrieb der Firma erwirtschaftet werden.

  • Wie passt das mit der Finanznot der Kommunen zusammen?

    • Das weiß ich nicht. Es bleibt abzuwarten, ob das Innenministerium das Vorhaben für den Landkreis Göttingen genehmigen wird, obgleich der Kreis an anderer Stelle behaupt, klamm zu sein und die Entschuldungshilfe in Anspruch nehmen zu müssen.

  • Ist der Kaufpreis überteuert, weil viele Investitionen im Hinblick auf den Verkauf aufgeschoben wurden?

    • Es wurde behauptet, einen Investitionsstau in das Netz gibt es nicht. Dem verhandelten Kaufpreis liegt eine Bewertung zu Grunde. Die Bewertung erfolgte durch ein unabhängiges Unternehmen. Das Bewertungsverfahren wurde nicht detailliert besprochen. Es wurde darauf hingewiesen, dass der Transaktionsberater zusätzlich eine Wertermittlung vornahm, deren Ergebnis zu ähnlichen Werten kam. Der Mitarbeiter von Eon nannte durchschnittliche Ausfallzeiten als Indikator für die Beschaffenheit des Stromnetzes. Danach sei die durchschnittliche Ausfallzeit im Netz der Gesellschaft im Vergleich zu den Vereinigten Staaten von Amerika, innerhalb anderer Staaten der Europäischen Union und auch bei Vergleichen innerhalb Deutschlands unterdurchschnittlich (also besser als im Mittel). Die geringen Ausfallzeiten führten auch dazu, dass die Netzregulierung dies honorierte. Der Zustand des Stromnetzes entspreche den gängigen DIN-Normen und es würden IT-gestützte Investitionspläne bis 2050 entwickelt, die auch angesichts der Verkaufsabsichten nicht ausgesetzt wurden.

      Das spricht aus meiner Sicht für eine akzeptabele Beschaffenheit des Stromnetzes.

  • Hat das Auswirkungen auf die Kunden und Verbraucher?

    • Die Finanzierungskosten und die Kosten des Konzernumbaus in verschiedene Sparten soll nicht durch eine Erhöhung der Netzentgelte umgewälzt werden können, da dies die Regulierungsbehörde nicht zulässt.

  • Was ist mit den Arbeitnehmern?

    • Die Arbeitsverträge sind mit der Firma abgeschlossen, die in das Eigentum der Kreise übergeht. Inhaltliche Änderungen ergeben sich nicht. In verschiedenen Aufsichtsräten wird es Arbeitnehmervertreter geben, wie dies gesetzlich vorgesehen ist. Das Wissen der Mitarbeiter bleibt erhalten. “Die Mannschaft bleibt an Bord”.

  • Wird die neue Firma den regional tradierten Namen EAM tragen dürfen?

    • Ja.

  • Soll neben den bestehenden Stromanbietern eine neue Vertriebssparte aufgebaut werden, die dann als Mitbewerber für lokale Stromanbieter (EEW, Göstrom) agiert?

    • Diese Frage muss von dem künftigen Vorstand und Aufsichtsrat entschieden werden, in dem die Politik vertreten ist. Eine Entscheidung darüber ist noch nicht gefällt.

    • In Szenarien einzelner Rentabilitätsberechnungen ist der Aufbau einer neuen Vertriebssparte als Kostenfaktor enthalten.

  • Mit dem Rückkauf werden viele komplizierte Vorschaltgesellschaften gegründet und komplizierte Firmenstrukturen geschaffen. Ist das wirklich notwendig?

    • Komplizierte Firmenstrukturen führen zu nicht nachvollziehbaren Entscheidungswegen. Für die Trennung verschiedener Firmenteile wurden jeweils (rechtlich oder steuerlich) plausible Gründe genannt. So müssen größere Netzbetreiber von dem sonstigen operativen Bereich in Firmen getrennt werden. Das künftige Konzerngeflecht ist insgesamt nur teilweise sinnvoll, sicher aus Sicht der Durchschaubarkeit von Entscheidungswegen nicht optimal aber mir fällt auch nichts Besseres ein.

Was hältst Du von dem Vorhaben, das regionale Stromnetz in kommunale Hände zu holen?

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UnpassUnpassendes aber gut aussehendes Bild als krönender Abschluss Quelle: Piratenpartei Deutschland
Unpassendes aber gut aussehendes Bild als krönender Abschluss Quelle: Piratenpartei Deutschland

Update 20:44 – Rechtschreibung, Grammatik

Update 17.11.2013 – zur Vertiefung:

1 Kommentar zu “Übernahme der E.ON-Mitte AG

  1. Guido Hartmann

    Hallo,

    eine übersichtliche und gut verständliche Präsentation des Themas.
    Dankeschön!

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