Baggersee PiratenPlanet Pressemitteilung

Rosdorfer Baggersee: Fotodokumentation zeigt 814 Badende in unter 2 Stunden

Pressemitteilung des Kreisverbandes, 12.08.2015

In einer aus 215 Einzelbildern bestehenden Fotodokumentation hat die Piratenpartei nachgewiesen, dass im Rosdorfer Baggersee am Sonntag den 2. August 2015 innerhalb von knapp zwei Stunden am Nachmittag mindestens 814 Personen im See gebadet haben. Allein in der Stunde zwischen 15:50 und 16:50 Uhr wurden 506 Badende fotografisch erfasst.

Die Fotos entstanden im Südteil des Sees, wo nicht mehr gebaggert wird und ein Badeverbot nach Ansicht der Piraten unbegründet ist. Im Nordteil badeten gleichzeitig nur sehr wenige.
Weitere Fotos vom Montag 3. August belegen, dass am noch wärmeren Folgetag sogar noch mehr Menschen im Wasser waren als am Sonntag.
Die Dokumentation, in der jeder einzelne Schwimmer mit einer laufenden Nummer versehen wurde (Gesichter wurden unkenntlich gemacht), wurde dem Gesundheitsamt der Stadt und des Landkreises Göttingen zugeleitet, ebenso der fachlichen Aufsichtsbehörde im Sozialministerium in Hannover.

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Beispiel aus der Fotodokumentation, Aufnahme Nr. 82 von 15:46 Uhr mit 17 Badenden. Die Schwimmer sind markiert und mit einer individuellen Nummer versehen.

Die 215 Bilder widerlegen die Behauptung des für den See zuständigen Göttinger Gesundheitsamtes, angesiedelt im städtischen Sozialdezernat unter der Leitung von Dagmar Schlapeit-Beck (SPD), am Baggersee würden die Menschen nur am Ufer liegen, sich sonnen und lesen, nicht jedoch ins Wasser gehen.

Die Darstellung des Gesundheitsamts, die vielen Menschen würden an heißen Sommertagen zu einem See fahren und dort dann nicht baden, ist nicht nur absurd, sondern auch mit ein paar Fotos sehr leicht widerlegbar„, so Dr. Francisco Welter-Schultes, Mitglied des Vorstands. „Wir fordern mehr Realitätsbezug in der Göttinger Verwaltung, und mit Nachdruck die Einhaltung der europäischen Hygienevorschriften.“

Nach § 1 der Niedersächsischen Badegewässerverordnung muss ein Badesee von den Behörden dann hygienisch überwacht werden, wenn die zuständige Behörde dort mit einer „großen Anzahl von Badenden rechnet“. Laut Artikel 1 der EU-Badegewässerrichtlinie von 2006 steht dabei der gesundheitliche Schutz der Menschen im Vordergrund.

Die Landesverordnung schließt nicht ein, durch ein generelles Badeverbot, das sich nicht durchsetzen lässt, die vorgeschriebene Untersuchung zu umgehen.

500 Badende entspricht in etwa der Zahl derer, die am Seeburger See bei schönem Wetter pro Tag das Naturseefreibad besuchen – wobei auch von diesen nicht alle ins Wasser gehen. Der Seeburger See wird vom Göttinger Gesundheitsamt als ein Gewässer eingestuft, an dem mit einer großen Anzahl von Badenden gerechnet wird.
Da am Rosdorfer Baggersee die Zahl 500 nachgewiesenermaßen bereits in einer einzigen Stunde erreicht wird, wäre dieser See schon erst recht als ein Badegewässer einzustufen. Am untersuchten Sonntag müssen im Lauf des Tages über 2000 Menschen im Baggersee gebadet haben.

Die Fotodokumentation belegt außerdem, dass die bisherigen Schätzungen von etwa 80.000 Badegästen im Jahr, die auch von der Kreisverwaltung nicht angezweifelt worden waren, der Realität nahe kommen.
Zwei der drei Göttinger Freibäder erreichen diese hohen Zahlen nicht. Völlig abwegig wäre der Gedanke, sich dort nicht um die Hygienevorschriften kümmern zu müssen.

Zur Fotodokumentation geht es hier:

Sonntag 2.8.2015 (215 Bilder, 83 MB):
http://www.piratenpartei-goettingen.de/?p=13881

Montag 3.8.2015 (10 Bilder, 5 MB):
http://www.piratenpartei-goettingen.de/?p=13882

Das Schreiben an die Gesundheitsbehörden schließt mit folgenden Worten:

Wir erwarten eine Korrektur der Darstellung, am Rosdorfer Baggersee würden deutlich weniger Menschen als am Seeburger See baden.

Die Dokumentation legt nahe, dass es sich um ein Badegewässer im Sinne der Richtlinie 2006/7/EG (Badegewässerrichtlinie) handelt. Wir fordern von den Gesundheitsbehörden eine Überwachung nach den europäischen Hygienevorschriften.

17 Kommentare zu “Rosdorfer Baggersee: Fotodokumentation zeigt 814 Badende in unter 2 Stunden

  1. Die Badenden am Rosdorfer Kiessee wünschen, von parteipolitischen Profilierungsversuchen verschont zu bleiben, denn:
    – Die Wasserqualität interessiert niemanden. Offensichtlich ist sie hinreichend.
    – Verwaltung und Firma Oppermann werden den See so unattraktiv wie nur möglich halten, um die Haftungsrisiken zu begrenzen.
    – Deshalb ist ein Polizeieinsatz gegen die Badenden wahrscheinlicher als irgendeine andere offizielle Maßnahme.
    Das Göttinger Tageblatt berichtet bewußt reißerisch, wenn es behauptet, es würde vorwiegend nackt gebadet. Nach meiner Beobachtung machen die Nackten vielleicht 10% der Besucher aus. Daß dieses wichtige Lokalmedium so offen polemisiert, ist schlecht.
    Die Badenden wünschen deshalb, daß möglichst wenig Aufhebens um den See gemacht wird. Mehr Aufmerksamkeit führt nicht zu besseren Bedingungen für Besucher, sondern zu mehr Abwehr durch die Verwaltung. Das wollen die Badenden nicht.
    Laßt uns in Ruhe! Besser als jetzt wird es nicht!

  2. Oppermann wird noch etwa 20 Jahre baggern. Die Verwaltung plant, den See danach dicht zu machen. Die Parteien sind die politischen Entscheidungsträger und es ist ihre Aufgabe, sich zu positionieren, um der Verwaltung eine Anleitung zu geben, was sie tun soll, auch nach dem Ende des Kiesabbaus. Neben den Piraten haben das bislang auch Linke und Freie Wähler getan.
    Die Badenden nehmen sich momentan die Freiheit raus, dort zu baden. Das ist auch gut so. Wir Piraten nennen das freien Zugang zu Naturschönheiten, und wir finden, die Bevölkerung hat ein Anrecht darauf. Aber Freiheitsrechte fallen nicht vom Himmel.
    Es ist möglich, dass es ewig so weitergeht. Es ist aber auch möglich, dass sich in 20 Jahren urplötzlich ein Investor findet, der den irre hohen Marktwert des Areals entdeckt und dieses Gebiet nach Ende des Kiesabbaus dann ganz toll „entwickeln“ will (das ist die Sprache, die dann gesprochen wird) – und dann haben wir ein Problem, weil bei dem illegalen Zustand niemand eine Chance haben wird, den kostenlosen Zugang für alle beizubehalten. Diese Illegalität kommt am Ende nur diesen Leuten zugute. Es gibt kein Gewohnheitsrecht auf etwas, das nicht erlaubt ist.
    Polizeieinsätze gegen Badende sind in der Praxis nicht durchführbar, sonst würden wir genauso wie die Linken unsere Finger vom dem Thema lassen. Wir haben das lange abgewägt, auch zusammen mit den Linken. Der Ordnungsamtleiter von Friedland hat gegenüber dem NDR erklärt, er könne die Badenden nicht kontrollieren, es seien zu viele (4.8.2015). Das Liegen am Ufer ist aufgrund eines Bundesgesetzes erlaubt (§ 59 Bundesnaturschutzgesetz).
    Das mit den Haftungsrisiken wird immer wieder vorgebracht, scheint aber ein Märchen zu sein. Bei Ertrinken in einem öffentlich zugänglichen See haftet niemand. Seit 2005 sind im Riemer See bei München 10 Menschen ertrunken, als Ursache gelten Planungsfehler (künstlich angelegter Badesee). Von Haftung ist dort keine Rede.
    Es ist der Vorschlag gemacht worden, einen Verein zu gründen, Freunde des Baggersees oder so. Wäre auch ein mögliches Format.
    Eine Einheitsmeinung gibt es am See wohl nicht. Einfach nur wegducken und hoffen, dass sich nichts bewegt und alles immer so bleibt, kann blöde ausgehen. Gibt unter den Badenden auch Leute, die meinen, es sei schon gut, sich einzusetzen.

  3. Für die Entwicklung des Geländes würde es doch einen B-Plan oder eine FNP-Änderung benötigen, und den müsste irgendein Rat/Ausschuss erstmal billigen, oder etwa nicht? Da erscheint es naheliegend, in den Sitzungen durch genügend, sich hoffentlich benehmende, Besucher die Votierenden in die „richtige“ Richtung zu bewegen, den See dort zu lassen wie er liegt.

  4. Zuständig wäre der Gemeinderat Friedland – also dieselben Volksvertreter, die im Juni 2014 das Badeverbot in allen Gewässern der Gemeinde beschlossen haben. Und das Eislaufen gleich mit.

  5. Aus dem Landkreis

    In Rosdorf gibt es einen Baggersee, der als Folge von Kiesgewinnung über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten entstanden ist. Seit längerem nutzt ihn die Bevölkerung von nah und nicht mehr ganz so nah zum Baden, denn er ist idyllisch gelegen, und einen solchen Kiessee gibt es nicht überall. Zumindest in dieser einen speziellen Hinsicht bedeutet der Kiessee in Rosdorf für die Bevölkerung ein Privileg – denn vorangegangene Nachteile im Zusammenhang mit dem Materialabbau und Abtransport interessieren bei dieser Wahrnehmung nicht mehr. Im Stillen frage ich mich sogar, warum bisher kein Kleingewerbetreibender auf die Idee kam, aus dem regelmäßigen und dabei doch erheblichen Besucherandrang eine kleine Einkunftsquelle zu beziehen, indem er dort im Nahbereich – mobil – an geeigneten Tagen Eis, Getränke und Sonnenschutzmittel anbietet. – Die staatlichen Verwaltungseinrichtungen wiederum arbeiten seit jeher im Auftrag, Dienst und natürlich auch auf Rechnung der Allgemeinheit.
    Bei dieser Konstellation sollte es mich eigentlich wundern, dass die örtliche und überörtliche öffentliche Verwaltung nicht schon längst auf das unübersehbare allgemeine Interesse am Baden in diesem künstlichen Baggersee eingegangen ist. Indem sie längst offizielle Vereinbarungen mit dem Betreiber eingegangen ist sowie klare, vor Ort nachlesbare Regelungen für die Besucher geschaffen hat. Also eine rechtlich abgesicherte Gesamtsituation, die sowohl für den Betreiber, für die vielen Badeinteressierten (deren Andrang nicht ernsthaft bestritten werden kann) und natürlich auch für die Verwaltungsansprüche selbst akzeptabel ist. (Ist das nicht auch ein Bestandteil des Daseinszwecks der öffentlichen Verwaltung?)
    .
    Mit meinen persönlichen Vorstellungen habe ich mich natürlich am RECHTSprinzip orientiert. Grundlage ist also, dass hier wie überall rechtsstaatliche Überlegungen gelten bzw. wirken, sowohl dort, wo es um die innere Haltung der Beteiligten geht, wie auch praktisch, d.h. nach außen.
    Aus dieser Perspektive habe ich den Kommentar von „HS“ mit besonderem Interesse gelesen. „HS“ ist selber badeinteressiert. Für mich gibt es keinen Zweifel Aufrichtigkeit seines Anliegens, sich hier im Sinne der Allgemeinheit einsetzen zu wollen. Aber seine Darstellung der aktuellen Situation klingt für mich einerseits sehr pessimistisch, scheint andererseits aber auch durch seine Wahrnehmung einzelner Realitäten – und das über einen längeren Zeitraum – geprägt zu sein:
    * „Verwaltung und Firma Oppermann werden …“ – Wie darf ich diese Formulierung verstehen? Hier geht es ja um situative Wahrnehmung. Also: Existiert in dieser Hinsicht – der persönlichen Wahrnehmung nach – in oder um Göttingen eine quasi-offizielle, faktische Art von „ Allianz“? Bzw. wird eine faktische gegenseitige Protektion zwischen der Verwaltung und dieser speziellen Firma wahrgenommen? Das würde mich tatsächlich sehr interessieren.
    * Das Göttinger Tageblatt verzerrt nach der Beobachtung von „HS“ im Zusammenhang mit dem Kiessee die Wahrheit, um damit die pauschale Diskreditierung der Kiessee-Besucher zu erreichen. (So wie ich es auffasse: der Rosdorfer Kiessee ist ein reiner Tummelplatz für „Spanner“ und Voyeure; beim Leser implizierter Nachsatz: Wer braucht sowas schon?)
    * Und es ist „ein Polizeieinsatz gegen die Badenden wahrscheinlicher als irgendeine andere offizielle Maßnahme.“ Statt umsichtigem Verwaltungshandeln also die Befürchtung des direkten Einsatzes von (Staats-) Gewalt.
    Vorstellungen, wie ein Sachstand zum Wohle der Allgemeinheit verändert oder neu geregelt werden sollte, entwickeln sich selbstverständlich nach dem Rechtsprinzip. So auch hier, beim Rosdorfer Baggersee, Produkt der jahrzehntelangen Kiesausbeutung durch Firma Oppermann. Doch dann kommt alles anders, und es werden ernstliche Einwände und Befürchtungen gegen das politische Engagement in diesem speziellen Fall vorgebracht. Und was dabei nun zur Sprache kommt, sind Aspekte (Bedenken als Argumente), wie sie nicht das RECHTSprinzip, sondern das GEWALTprinzip kennzeichnen:
    – Voreingenommenheit statt Sachlichkeit bei der Verwaltung,
    – Verleumdung statt Neutralität in der örtlichen Presse und schließlich
    – die grundsätzliche Denkbarkeit einer unmittelbaren repressiven Reaktion durch die Staatsgewalt.
    Ich möchte nicht, daß meine Sätze mißverstanden oder gar als Überheblichkeit fehlgedeutet werden. Zwar sehe ich wie wohl auch „kryp“ in seiner Antwort darunter in diesem Standpunkt das „Wegducken“, doch ich wüßte (ggf. auch von „HS“) gern mehr darüber: Warum geschieht das hier so? Gibt es Dinge, die hier unausgesprochen bleiben?
    Ein erster Punkt wäre für mich die Frage, ob mit der „Verwaltung“ hier die spd-dominierte Verwaltung (oder darf man sogar so weit gehen, zu sagen: „die SPD-Verwaltung“?) der Stadt Göttingen gleichgesetzt wird? Wie ist bei diesem Kiessee-Thema denn der Anteil der
    Mitwirkung von CDU und Grünen generell einzuschätzen?
    .
    Interessant ist für mich aber auch der recht kurze Beitrag von „msm“. Was genau ist dort mit den „sich hoffentlich benehmenden Besuchern“ gemeint? Darunter scheinen manche Personen etwas ganz anderes zu verstehen als andere Leute. Eine ähnliche Formulierung ist mir vor etlichen Jahren selbst begegnet. Das geschah damals unvermittelt und in einem vorgespielten, scheinbar zufälligen Dialog, ‚draußen an der frischen Luft‘, der erkennbar darauf angelegt gewesen war, daß ich die hämischen Worte mitanhören sollte. Bereits einige Zeit vorangegangen war damals mein (und längst nicht nur mein eigenes) sehr harmloses, wenn auch nicht gänzlich nur stilles Engagement gegen den neuen örtlichen Flächennutzungsplan (FNP). Insofern gab der Begriff für mich hier wieder das Stichwort. Welche konkreten Vorstellungen vom ‚anständigen Benehmen‘ dort vorhanden waren, wurde nicht gesagt. Darüber kann ich nur spekulieren. Was mir hingegen im direkten zeitlichen Zusammenhang mit Einzelereignissen meines Engagements in ‚guter‘ Erinnerung geblieben ist, das waren nächtliche Sachbeschädigungen. Die erste geschah an meinem Fahrzeug, das damals wie immer in der eigenen Einfahrt geparkt stand. – Ich habe durchaus Verständnis für Personen, die nach Abwägung aller Aspekte für sich persönlich entscheiden, lieber den Weg des „Wegduckens“ gehen zu wollen. Manche würden gern anders, aber können es z.B. aus familiären oder wirtschaftlichen Gründen nicht. Doch was wird passieren, wenn diesen Weg schließlich zu viele beschreiten? –

  6. Die CDU hat sich in den Kreistagsdebatten bislang immer so geäußert, dass das Baden verboten sei und man nicht zulassen könne, dass ein illegaler Zustand nachträglich legalisiert wird. Zudem wurde der Standpunkt vertreten, dass es Privatgelände sei (wobei die nicht wussten, dass es sich um enteignetes Gebiet handelt, das in einen Fond überführt wurde und von einer Landesbehörde verwaltet wird… als ich das mal im Kreistag erläuterte, reagierte die SPD sehr ungehalten).
    Die Grünen stehen dem Standpunkt von HS sehr nahe. Etliche im Kreistag äußerten sich so, dass sie da selbst badeten oder früher dort gebadet haben, und dass aber nur Stillhalten dazu führt, dass alles so bleibt, wie es ist. Jeder Versuch einer Verbesserung könne nur zu einer Verschlechterung führen, da die Verwaltung, wenn sich einer bewegt, sich wehren und was ganz schlimmes machen würde. Die Grünen müssen in den vergangenen Jahrzehnten viele sehr schlechte und frustrierende Erfahrungen mit der Kreisverwaltung gemacht haben.
    Im Kreistag gibt es noch die Freien Wähler, die sich differenziert geäußert haben. Das Badeverbot stellen sie nicht in Frage, aber nach Ende des Kiesabbaus solle der See ein frei zugänglicher Badesee werden, als Naherholungsangebot an die Bevölkerung.

  7. Aus dem Landkreis

    1. Wer ist denn, historisch betrachtet, der ursprüngliche Eigentümer des Areals? (Oder gibt es dort sogar mehrere ursprüngliche Eiegntümer?) Wann und unter welchen Umständen wurde das Areal enteignet? Von wem wurde damals die Enteignung betrieben?
    2. Wann wurde das Areal in den besagten Fond eingebracht, und wie heisst er? Wann (und wie) gelangte das Areal dann zur heutigen Nutzung als Kiesabbau?
    3. Die SPD scheint sich häufiger sehr auffällig (bzw. mit auffälligen Formulierungen) artikuliert zu haben, wenn es speziell um das Areal dieses Rosdorfer Kiesabbaues ging oder speziell um Abläufe oder Verfahrensweisen, die damit im Zusammenhang standen – könnte das sein?
    4. Haben die Grünen selber praktisch keinen Einfluss auf die Verwaltung? Anders gefragt, darf man die Kreisverwaltung – dem maßgeblichen Personal nach – praktisch mit „SPD-Hoheit“ gleichsetzen?
    5. Wie verhält sich die „Linke“? Tritt sie zu dem Thema gar nicht in Erscheinung?
    6. Warum wird das Badeverbot – irgendwann einmal erlassen – von so vielen Gruppen akzeptiert? Wer hat dieses Badeverbot eigentlich ursprünglich gewünscht bzw. durchgesetzt?
    7. Nach meinem persönlichen Eindruck scheinen in Bezug auf den Rosdorfer Kiessee auffällig viele Parteien im wesentlichen zu schweigen, sich vor etwas zu ducken oder gar – zu zittern? (Ist mein Eindruck richtig?) Gibt es dort irgendwen oder irgendein Moment, das mehr oder weniger direkt – Angst verbreitet? Oder handelt es sich um ein Phantom?

  8. 1. Ursprünglicher Eigentümer: das Augustinerinnenkloster in Weende. Enteignung 1542, im Zuge der Reformation. Von Elisabeth von Calenberg, damalige Landes-Regierungschefin.
    2. Eingebracht 1803, durch Zusammenführung mehrerer Stiftungen von Fürstemtümern des späteren Königreichs Hannover (welches sich zwischen 1803 und 1814 in der Gründungsphase befand). Kiesabbaurechte wurden 1967 an die Firma Oppermann verpachtet, durch die Klosterkammer Hannover, einer Landesbehörde, die seit 1818 die Liegenschaften des AHK-Fonds verwaltet. Selbe Situation wie an der Northeimer Seenplatte.
    3. Versteh nicht genau, was du ansprichst. Die haben Eckhard Faschers Antrag als unredlich bezeichnet (Linken-Kreistagsfraktionschef) und gesagt, er verhalte sich wie ein ungezogenes Kind. Vielleicht meinst du das.
    4. SPD-Hoheit: ich meine, nein. Zuständige Dezernentin ist Christel Wemheuer (Grüne). Ich halte sie in dieser Frage nicht für SPD-hörig.
    5. Doch, tritt sie. Ihre Position ist deckungsgleich mit der der Piraten. Eckhard Fascher und Andreas Gemmecke haben sich im Winter und Frühjahr beide als Abgeordnete im Kreistag (zusammen mit dem Kreistagspiraten Andreas Schelper) sehr für den Baggersee eingesetzt, Anträge eingebracht und verteidigt. Radwegvorschlag, Toiletten, Müll. Gute Arbeit. Ebenso hat sich auch Patrick Humke (GöLinke) im Stadtrat im Frühjahr für Toiletten eingesetzt und einen Antrag der Piraten mitgetragen.
    6. Frage 1 ist schwer zu beantworten – offenbar einfach weil man glaubt, durch ein auf dem Papier bestehendes Verbot würde man sich haftungsrechtlich irgendeinen Vorteil verschaffen. Frage 2, Badeverbot: das Gesundheitsamt als Fachaufsichtsbehörde in Hannover hatte 2013 nach einem Fernsehbericht über den Badebetrieb den Kreis darauf hingewiesen, dass eine Hygieneüberwachung Pflicht sei, es sei denn, das Baden werde explizit verboten und so ein Verbot auch durchgesetzt. Der Kreis setzte daraufhin die Gemeinde Friedland unter Druck, ein Badeverbot per Satzung zu beschließen. Das Baden war schon vorher nicht erlaubt (in Niedersachsen ist das Baden an Seen grundsätzlich nicht erlaubt, es sei denn, der Landkreis erlaubt es ausdrücklich; das ist anders als in Bayern und anderen Bundesländern), aber ohne satzungsgemäßes Badeverbot darf man die Polizei nicht einsetzen (was in der Praxis allerdings auch nicht geht, aber das ist denen egal, Hauptsache Hannover gibt Ruhe). Warum gewünscht? Es gibt offenbar so eine Kultur in Norddeutschland, vorsichtshalber lieber alles zu verbieten, wenn man die Rechtslage nicht genau kennt. Das scheint emotional bedingt zu sein, die haben einfach eine tiefsitzende Angst vor einem Haftungsrisiko. Daraus scheint sich zu erklären, dass niemand etwas dagegen hat, etwas zu verbieten. Bei der Verkehrsführung am Weender Tor in Göttingen ist eine ähnliche Mentalität sichtbar – ein Drittel des Radverkehrs wird dort auf verbotenen Strecken geführt und man traut sich nicht, diese Strecken auch offiziell freizugeben.
    7. Es sieht nach einem Phantom aus.
    8. Du stellst genau die richtigen Fragen und es wäre mal gut, wenn Entscheidungsträger anderer Parteien sich auch auf diese sachbezogene Weise mit dem Thema auseinandersetzen würden.

  9. Aus dem Landkreis

    Vielen Dank für die ausführlichen Antworten!
    Einen Aspekt möchte ich noch einmal nachfragen und explizit beantwortet wissen: Trifft mein Eindruck tatsächlich zu, dass allenthalben ‚ein grosses Schweigen und Ausweichen, Wegducken und Zittern‘ herrscht, wenn das Thema speziell auf diesen Kiesabbau-Baggersee in Rosdorf kommt?
    Als Antwort steht zu Punkt 7: „Es sieht nach einem Phantom aus.“ – Also herrscht tatsächlich wahrnehmbare ANGST, nach persönlicher Bewertung: Angst ja, doch vor einem Phantom!?

  10. Dein Eindruck trifft meiner Einschätzung nach zu. Angst vor einem Phantom, so stellt es sich dar.
    Wobei das nur die Politiker von SPD, CDU und Grünen betrifft, sowie die Verwaltung der Gemeinde Friedland. Der Kreisverwaltung kann man das nicht unbedingt unterstellen, da sich Wemheuer mit der Thematik deutlich sachbezogener auseinandergesetzt hat als die rot-grünen Politiker. Man kann ihr nicht vorwerfen, dass sie rein emotional argumentiert hätte. Sie hat Gespräche geführt, mit Oppermann und der Klosterkammer, aufgrund eines Antrags der Linken und Piraten. Das war sachlich und vom Prinzip her auch hochanständig. Das Ergebnis war unbefriedigend; sehr wahrscheinlich hatte sie den Eigentümern nahegelegt, eine Badeerlaubnis nicht zuzulassen. Beispielsweise könnte sie denen gesagt haben, ihr könnt gerne das Baden erlauben, aber dann werden wir euch zwingen, mobile Toiletten zu bezahlen. Irgendwelche Konsequenzen muss sie denen angedroht haben. Warum, blieb im Dunkeln. Sie nannte im Ausschuss nur Gründe, die einer Prüfung nicht standhielten. Die wahren Gründe nannte sie nicht.
    Klar ist, Klosterkammer und Oppermann könnten das Baden tatsächlich erlauben, wie in Northeim. Aus irgendeinem Grund schien Wemheuer daran interessiert zu sein sicherzustellen, dass die das nicht tun.

  11. Aus dem Landkreis

    Was für Gründe („die einer Prüfung nicht standhielten“) hatte Frau Wemheuer denn genannt?
    Vielleicht sah sie bloß nicht ein, dass der Kreis die Kosten für die bei Badeerlaubnis fälligen Sanitäranlagen trägt, während die Hauptzahl der Badegäste jedoch der Stadt Göttingen zugerechnet wird – welche sich an den Kosten aber gar nicht beteiligt? (Zur Herkunft der Badegäste beziehe ich mich nun auf http://www.goest.de/baggersee.htm.)
    .
    So wie sich die Antwort nun für mich liest, geht das Badeverbot de facto von der Betreiberfirma aus, da sie das Baden genauso auch erlauben könnte. Dann wäre das lange Thema durch. Der Klosterkammer dürfte es praktisch egal sein, ob das Baden erlaubt oder verboten ist. (?)
    – Und als Schatten über dem allem die deutlich wahrnehmbare Angst und Demut „vor einem Phantom“ bei SPD, CDU und Grünen!?

  12. Zum Beispiel sagte sie am 4.3.2015 im Kreisumweltausschuss, im Südteil des Sees könne das Baden deswegen nicht erlaubt werden, weil es dort einen geschlossenen Schilfgürtel gebe und das Baden aus Naturschutzgründen nicht erlaubt werden könne. Das hält der Prüfung nicht stand, weil der Schilfgürtel seit jeher von Badeeinstiegsstellen unterbrochen ist, wie man auch auf Satellitenbildern gut sehen kann. Sie hat einfach eine gemalte Karte gezeigt, auf der der Schilfgürtel nicht unterbrochen war.
    Und sie sagte, es sei Betreibsgelände und daher das Betreten nicht erlaubt. Das hält für den Südteil des Sees der Prüfung nicht stand, weil sich dort keine Betriebsanlagen befinden, die Voraussetzung für die Definition „Betriebsgelände“ wären.
    3. sie sagte, Toiletten seien deswegen nicht installierbar, weil die Installation von festen Toiletten in einem Hochwasserschutzgebiet nicht erlaubt sei. Das hält der Prüfung nicht stand, weil es sich bei mobilen Toiletten ja genau um das Gegenteil von fest installierten Toiletten handelt.
    Das Erstaunliche war, dass sie sagte, an den Kosten (300 Euro fuer die Hygieneüberwachung, 6000 Euro für Toiletten) liege es gar nicht. Die Kosten wären nicht das Problem.
    Es ist richtig, sie sagte im Winter noch, die Stadt müsste sich beteiligen. Es ist aber so, dass die Steuerzahler der Stadt fast die Hälfte des Einkommens des Landkreises aufbringen. Möglicherweise hat ihr das jemand mal gesagt, sodass sie im März dann sagte, die Kosten seien nicht das Problem. An der Rhumequelle gibt es auch ein Dixi-Klo, das der Landkreis auch anstandslos bezahlt.
    Nein, das Badeverbot geht meiner Einschätzung nach nicht von Oppermann aus. Oppermann hat nichts gegen die Badenden, die zu 95 % im Südteil baden, wo sowieso nicht mehr gebaggert wird. Im Gegenteil, Badebetrieb schützt Oppermann davor, dass unbeobachtet im großen Stil Sachen gestohlen werden können. Es macht den Eindruck, als sei Oppermann stark unter Druck und werde gezwungen, den Bu. Treibende Kraft hinter dem Badeverbot scheint die Kreisverwaltung zu sein, nicht Oppermann. Die Betreiberfirma nur insofern, dass sie es vorzieht, das Baden zu verbieten, als Kosten zu übernehmen. In Northeim trägt diese Kosten jemand anders, deswegen ist eine Badeerlaubnis dort für die Firma kein Problem.

  13. den Buhmann zu spielen, sollte das im letzten Absatz heissen.

  14. Aus dem Landkreis

    Wird dort in Bezug auf Gespräche und vorgelegte Gesprächsresultate überhaupt ein ehrliches Spiel gespielt? Oder fällt das ganze eher in die Kategorie Schmierentheater, mit instruiertem Rollenspiel? Vorgetragene Standpunkte müssen auch plausibel sein. –
    Hier gibt es nun eine Buhmann-Rolle durch das ausgesprochene Badeverbot? Es war öfter von „20 Jahren“ die Rede, als Zeitpunkt für die Standortaufgabe. Wer legt diesen Zeitraum eigentlich fest? Die Wirtschaftlichkeit, oder Vorgaben der Behörden?
    Sofern unausgesprochen die Absicht bestünde, diesen Zeitpunkt deutlich vorzuverlegen, könnte dann eine offizielle Badeerlaubnis rechtliche Relevanz für den weiteren Umgang mit diesem Areal haben, oder wäre das ausgeschlossen? Anders gefragt: Könnte eine heute offiziell ausgesprochene Badeerlaubnis die Folgekosten nach der Stillegung maßgeblich beeinflussen, sie (für den Betreiber) deutlich in die Höhe treiben, oder wäre dem nicht so?

  15. Nein, ein ehrliches Spiel wird nicht gespielt. Sonst würden sie ja Argumente bringen, die überzeugend wären (sie sind ja alle interessiert daran, dass wir Ruhe geben). Wenn es stichhaltige ehrliche Argumente gäbe, würden sie die bringen. Die Argumente sind vorgeschoben. So viel ist klar.
    Rest-Baggerzeit: anfangs wollten sie nichts sagen. Zunächst hiess es sogar, die Konzession sei unbefristet (was keinen Sinn macht, weil solche Konzessionen werden in der Regel fuer 99 Jahre vergeben, also bis 2066… die Verträge sind nichtöffentlich), aber im Frühjahr gab die Kreisverwaltung eine Einschätzung von 20 Jahren an.
    Ausschlaggebend ist die Fläche, mittelbar also beides, Behördenvorgabe und Wirtschaftlichkeit. Im FNP ist vorgegeben, bis zu welcher Grenze die baggern dürfen. Im Süden ist diese Grenze mit der aktuellen See-Uferlinie identisch, im Norden ist noch Luft. Wenn die weiter mit der Geschwindigkeit von heute nach Norden weiterbaggern, sind es offenbar 20 Jahre bis sie die Nordgrenze erreichen. Es gibt Karten darüber, die sind öffentlich. Daher ist das halbwegs überprüfbar, was Wemheuer in diesem Punkt gesagt hat. Es scheint zu stimmen.
    Dieser Zeitpunkt ist nicht vorverlegbar. Er richtet sich wie gesagt nach der Konzessionsfläche und der Baggergeschwindigkeit. Mit dem Badeverbot hat das nichts zu tun. Die Angler dürfen da ja auch angeln.
    Folgekosten nach der Stillegung: diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich vermute, eher nicht. Wir können nur wieder nach Northeim schauen. Dort scheint dieser Grund nicht dazu zu führen, dass Oppermann das Baden verbieten muss. In einen Teil des Sees wird gebadet (auch mit Hygieneuntersuchung), im anderen gebaggert.

  16. Aus dem Landkreis

    Wenn ich mir diesen Kommentaraustausch nun anschaue, bekomme ich folgenden Eindruck: Je tiefer bzw. genauer man zum ‚Konfliktfall‘ Rosdorfer Baggersee nachfragt, desto mehr Widersprüche lassen sich benennen. Logik und eine klare Linie scheinen nicht die prägenden Elemente bei Entscheidungen zum Umgang mit diesem Kiessee zu sein. Die aktuelle Situation erinnert mich persönlich an diese typische Willkür im Umgang mit Entscheidungsabhängigen, der ich in Südniedersachsen schon häufig begegnet bin. Eine sehr unangenehme Eigenheit dieser Gegend.
    Dabei wird individuelles Engagement für die Interessen der Allgemeinheit (resp. ‚der kleinen Leute‘) nicht einmal anerkannt, sondern resultiert vereinzelt sogar noch in entwürdigende Zurechtweisungen und Ausfälligkeiten (wie die Äußerungen gegen Herrn Fascher).
    .
    Desweiteren dürfte es sich wohl auch bei diesem Thema an irgendeiner Stelle auswirken, dass Verflechtungen und Familienbande (vermeintliche) Loyalitätspflichten produzieren, die bei der ganzen Auseinandersetzung um das Badeverbot nicht mehr sachbezogen, sondern nur noch personenbezogen interpretiert werden sollten. Aber dies gehört natürlich bereits zu einer anderen typischen Eigenheit dieser Gegend: nämlich, welche Fakten und Zusammenhänge in und um Göttingen nicht jeder zu wissen braucht; im Gegensatz zu dem, was hier jeder sehen oder lesen, na jedenfalls gern für wahr nehmen soll. (Die GT-Darstellung des Kiessees ist dafür ein aktuelles Beispiel.)
    Schließlich glaube ich ganz ernsthaft, dass in dieser Gegend das bewußte Erschöpfen der Gutwilligen ebenfalls ein Bestandteil der Strategie der sog. „Entscheidungsträger“ ist, eben um relevante Entscheidungen und künftige Situationen auch weiterhin allein und im kleinen Kreis festlegen zu können. Fallweise erscheint mir das sogar als einer der wichtigeren Aspekte der Gesamtstrategie …

  17. Hallo „Aus dem Landkreis“

    Schau doch bei uns vorbei, wir sind jeden Montag im Cafe Inti in Göttingen Innenstadt ab 20.15 Uhr, weitere Infos findet du hier bei uns:
    http://www.piratenpartei-goettingen.de/kreisverband

    Bei Rückfragen stehen wir Dir gern zur Verfügung!

    Mich persönlich erreichst Du unter folgender Tel-Nr.:
    0511-51520138

    Ciao,
    Angelo Perriello
    2. Vorsitzender des Kreisverbandes Göttingen

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