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Rosdorfer Baggersee: Badeverbot erfüllt seinen Zweck nicht

Pressemitteilung des Kreisverbandes, 29.06.2015

Nach dem tragischen Tod eines 19-jährigen Mannes im Rosdorfer Baggersee sehen sich die Göttinger Piraten in ihrer Forderung nach einer Aufhebung des Badeverbots bestärkt. Das Verbot verhindert nicht, dass tausende von Menschen dort baden. Vielmehr sollten die Badegäste in mehreren Sprachen über die Gefahren und die richtigen Verhaltensweisen beim Baden informiert werden, sowie über die Wassertiefe.

Rosdorfer Baggersee, 24. Juni 2015: Ein aus Steinen geformtes Herz erinnert an den 19-jährigen Mann, der an dieser Stelle am 17. Juni ertrunken ist. Das Badeverbot verhindert solche Unfälle nicht.

Der junge Mann aus dem westlichen Sudan konnte nach Aussagen von Augenzeugen relativ gut schwimmen. Er ertrank im Südbereich des Sees nach aktueller Erkenntnislage deswegen, weil er seine Kräfte falsch eingeschätzt hat und nach einem Krampf oder Schwächeanfall im kalten Wasser offenbar nicht wusste, wie er sich hätte verhalten müssen. Dieser Unfall hätte in jedem See passieren können und hatte nichts mit der besonderen Situation im Baggersee zu tun, in dessen Nordbereich Kies abgebaut wird.
Es handelte sich nach unseren Erkenntnissen um den ersten Fall in 38 Jahren, dass ein Mensch in diesem See ertrunken ist. Fünf weitere Todesfälle hatten andere Ursachen.

Es ist bekannt, dass Flüchtlinge aus Ländern, in denen die Kinder selten Schwimmen lernen, die Gefahren in deutschen Naturseen oft unterschätzen. Die Flüchtlinge sehen, dass die Einheimischen Spass beim Schwimmen haben, springen hinterher und unterschätzen die Gefahren.

Es wäre sinnvoll, am Rosdorfer Baggersee und am Kiessee Klein Schneen Informationstafeln zu installieren, die über das richtige Verhalten beim Baden in unbekannten Gewässern informieren, das Tiefenprofil der Seen darstellen und die Badenden über die Gefahr der oft unterschätzten Temperaturschichtung in Naturseen aufklären.

Im Nordbereich sollte vor der dortigen Gefahr spezifisch gewarnt werden, so wie es vor mehreren Jahren praktiziert wurde. Einfach nur hinzuschreiben „Lebensgefahr“ ohne zu erklären, dass die frisch angebaggerten Hänge abrutschen und Schwimmer in die Tiefe reißen können, verschleiert die wirkliche Gefahr. Die Menschen am Nordufer vermuten, das Baden sei im ganzen See ungefährlich und die Verbotsschilder hätten nur haftungstechnische Gründe.

Um Informationstafeln anzubringen, müsste das Badeverbot im Südbereich des Sees aufgehoben werden. Man kann nicht das Baden verbieten und den Menschen gleichzeitig erklären, wie man sich beim Baden richtig verhält.

Grundsätzlich darf das Baden überall in Deutschland nur dort verboten werden, wo es eine besondere Gefahr gibt, die über die beim Baden üblichen Gefahren hinausgeht. Diese spezifische Gefahr gibt es nur im Nordteil des Rosdorfer Baggersees, wo derzeit Kies abgebaut wird, nicht aber in dessen Südteil oder im stillgelegten Kiessee Klein Schneen.

Abschließend sei erwähnt, dass die Piraten die Ankündigung der Polizei, die illegal parkenden Autos zu kontrollieren, ausdrücklich begrüßen. Der See wird von 80 % der Erholungsuchenden mit dem Fahrrad erreicht.
Badegäste sollten auch auf Schildern in mehreren Sprachen darauf hingewiesen werden, ihnen Müll wieder mitzunehmen und nicht in der Landschaft zurückzulassen.

Völlig kontraproduktiv und gefährlich wäre es allerdings, wenn die Polizei versuchen würde, die Menschen am Baden zu hindern. Badende könnten beim Anblick der Polizei aus Angst versuchen, an ein weit entferntes Ufer gegenüber zu schwimmen und sich dabei in Gefahr bringen.

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