Pressemitteilung des Kreisverbandes, 17.02.2016

Der Göttinger Kreisverband der Piraten spricht sich strikt gegen die von der Verwaltung vorgeschlagene Variante der Radschnellweg-Führung zwischen Groner Tor und Rosdorfer Kreisel aus. Sie soll zwischen den Bahngleisen und dem Hochhaus Groner Landstraße 9 über Leinestraße und Eisenbahnstraße zur Leinebrücke führen. Am Donnerstag 18. Februar 2016 liegt dem Bauausschuss ein entsprechender Beschlussvorschlag der Verwaltung vor, gegen den es bei der letzten Sitzung bereits von mehreren Parteien (Grüne und SPD) Kritik hagelte.

»Der Vorschlag geht am Bedarf vorbei. Die Strecke ist unattraktiv, viel zu langsam und bei Dunkelheit zwischen Bahndamm und dem sozialen Brennpunkt Groner Landstraße 9 nicht ungefährlich«, so Francisco Welter-Schultes, Mitglied des Vorstandes.
»Ich würde meiner Tochter verbieten, nachts da langzufahren

Bereits am 15.10.2015 hatten die Piraten die geplante Radwegführung durch diesen Engpass als frauenfeindlich kritisiert. Nach 6 Monaten und weiterer Kritik von SPD und Grünen ist die Verwaltung keinen Schritt vorangekommen und schlägt wie am Weender Tor genau das vor, was sie von Anfang an vorhatte.

Ansicht von der Groner Landstraße, wenige Meter weiter links das Hochhaus des sozialen Brennpunkts Groner Landstraße 9, rechts die Böschung des Bahndamms.

Die Piraten fordern, den Radweg vom Groner Tor entlang der Bürgerstraße in den Rosdorfer Weg bis zur Leinebrücke zu führen und durch eine Radwegverbreiterung an der Bürgerstraße dafür zu sorgen, dass diese Strecke endlich auch sicher in Gegenrichtung befahren werden kann. Tagtäglich fahren auf dieser wichtigen Verbindungsstrecke zwischen Bahnhof und Südstadt bereits heute hunderte Fahrräder in beiden Richtungen.

Für die von der Verwaltung vorgeschlagene Strecke zwischen Groner Tor über die Eisenbahnstraße zur Leinebrücke braucht ein Fahrrad nach Messungen der Piraten 2:45 Minuten, während für die Strecke vom Groner Tor über die Bürgerstraße und den Rosdorfer Weg nur 1:45 Minuten benötigt werden. Aus diesem Grund ist kaum anzunehmen, dass Radfahrer vom Bahnhof mit Zielrichtung Rosdorf die komplizierte Streckenführung durch die Eisenbahnstraße wählen werden. Jeder Verkehrsplaner weiß, dass im Radverkehr die Reisezeit die alles entscheidende Komponente darstellt.

»Schließlich fährt man deswegen mit dem Rad, weil es schneller geht. Niemand nimmt auf eine Strecke, die weniger als zwei Minuten in Anspruch nimmt, freiwillig eine ganze Minute zusätzlich in Kauf«, so Welter-Schultes weiter.

Die Zeitverzögerungen entstehen nicht durch die längere Strecke. Sie ergeben sich dadurch, dass Radfahrer dreimal entlang der Leinestraße bzw. Eisenbahnstraße an Kreuzungen bis fast zum Stillstand abbremsen und anschließend neu anfahren müssen. Die Häuser stehen dort jeweils so nah an der Straße, dass Querverkehr erst im letzten Moment gesehen werden kann und ein schnelles Durchfahren lebensgefährlich wäre. In diesem Abschnitt von einem Radschnellweg zu sprechen wäre ein Etikettenschwindel.

Am Rosdorfer Weg und an der Bürgerstraße besteht dieses Problem nicht. Dort können die Fahrräder zügig fahren.

Bereits am Weender Tor hatte die Verwaltung mit einem Vorschlag zum Umbau des Weender Tores einen ausgesprochen unattraktiven Vorschlag unterbreitet, der im Lauf der Debatte mehrmals im Bauausschuss behandelt und von SPD und Grünen kritisiert wurde. Am Ende hatte die Verwaltung mit einer starren und kompromisslosen Haltung erreicht, dass SPD und Grüne der Planung zustimmten – die sich hinterher als genauso erfolglos herausstellte wie vorhergesagt. Heute fährt dort etwa 30 % des Radverkehrs auf illegalen Strecken über die Kreuzung (vorher waren es 2 %), und der Radschnellweg den Nikolausberger Weg bergauf zur Goßlerstraße wird von kaum mehr Fahrrädern befahren als regelwidrig schon vor dem teuren Ausbau.

Die CDU äußert sich in solchen Debatten nur in dem Sinn, dass generell nicht in den Radverkehr investiert werden sollte. Eine inhaltliche Oppositionsarbeit und Warnung vor konkreter Geldverschwendung findet seitens der CDU-FDP-Gruppe nicht statt.