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Qamishlo: „Die Stadt passt gut zu Göttingen“

Pressemitteilung der Ratsfraktion, 19.11.2015

Auf einer Informationsveranstaltung im Ratssaal, die die Fraktionen der Linken und der Piraten als gemeinsame offene Fraktionssitzung organisierten, wurde über die aktuelle Lage und den Stand in der Vorbereitung einer Städtepartnerschaft zwischen Göttingen und der im kurdischen Gebiet Syriens gelegenen Stadt Qamishlo (gesprochen: Kamischlo) berichtet. Es moderierten gemeinsam Meinhart Ramaswamy für die Piraten und Patrick Humke für die GöLinke.

Gernot Wolfer aus Berlin schilderte in einem spannenden Vortrag Erfahrungen beim Wiederaufbau von Kobanê. Die Stadt im Nordwesten Syriens war 2014 zur Hälfte vom IS erobert und danach wieder befreit worden. Es handelt sich um die einzige Gegend in Syrien, in die Flüchtlinge momentan wieder zurückkehren, auch in großer Anzahl.

Referent Cam Çiçek vom Kurdischen Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit in Frankfurt informierte über die gesellschaftliche Situation in Qamishlo. Die Stadt zählt mehrere 100.000 Einwohner und ist Hauptstadt einer der drei Kantone des Rojava genannten und kurdisch kontrollierten Teil Syriens.

Cam Cicek und Gernot Wolfer, 18.11.2015
Cam Çiçek und Gernot Wolfer, die beiden Referenten am 18. November 2015 im Ratssaal.

Besonders in Bezug auf die Freiheiten für Frauen und das friedliche Miteinander der Religionen unterscheidet Rojava sich von den Nachbargebieten Syriens, die immer mehr im Chaos versinken. Dieses friedliche Miteinander schließe in Qamishlo sogar Assads Truppen ein, die auch heute immer noch einige Gebiete der Stadt kontrollieren, darunter den Flughafen. Es gelte die Regel, dass niemand angegriffen werde, der nicht selbst angreife, erläuterte Çiçek.

»Die Stadt passt gut zu Göttingen, eine Universität im Aufbau, künstlerische Ausbildungen und es ist eine Stadt der Philosophie«, so Ratsmitglied Meinhart Ramaswamy von den Piraten.

Im August 2014 wurde in Qamishlo die erste Universität im kurdischen Teil Syriens gegründet. Unter dem alten syrischen Regime war dies im kurdischen Gebiet nicht erlaubt. Inzwischen werden Rechtswissenschaften, Sozial- und Kulturwissenschaften auf Arabisch, Kurdisch und teilweise auch auf Englisch gelehrt. Mit Syriens offizieller Amtssprache Aramäisch soll demnächst eine vierte Sprache hinzukommen, dazu weitere Fakultäten. Was wenige wissen: Die Universität in Göttingen unterrichtet unter anderem Kurdologie.

Qamishlo hat derzeit nur eine Partnerstadt, die Millionenstadt Sulaimaniyya in der kurdischen Region im Irak. Göttingen wäre die zweite.

2 Kommentare zu “Qamishlo: „Die Stadt passt gut zu Göttingen“

  1. Prämiumkurde

    Warum nennt Ihr die Stadt nicht Qamischli? Steht Ihr nur auf kommunistische Kurden und benachteiligt die dort lebenden und diskriminierten Aramäern, Arabern und Assyrern?

  2. Wir sind die Piraten und keine Kommunisten.
    Zur Zeit ist die Stadt unter kurdischer Verwaltung, da liegt es nahe, den kurdischen Namen zu nehmen. Ziel ist es, Kontakte zu dortigen offiziellen Stellen aufzubauen.
    Am Anfang wurde in den Ratsdokumenten und ähnlichen Papieren Qamişlo geschrieben, woraufhin aus dem ş oft ein s wurde, und der Name dann falsch ausgesprochen wurde. Qamishlo zu schreiben bewirkt, dass es halbwegs richtig ausgesprochen wird. Das ist sicherlich eine Neuerfindung, die aber nicht schlecht durchdacht ist.
    Der assyrische bzw. aramäische Name (ܩܡܫܠܐ) scheint auch Qamishlo ausgesprochen zu werden. Es scheint keine zuverlässigen Daten über die Anteile der Sprachgruppen zu geben, aber die Besiedlungsgeschichte spricht eher dafür, dass die arabische Bevölkerungsgruppe in der Stadt nicht die Mehrheit ausmacht. Wenn die meisten anderen Bewohner Qamishlo sagen, scheint diese Namenswahl seine Berechtigung zu haben.
    Qamischli: arabisch القامشلي. Einen arabischen Ortsnamen mit sch zu schreiben wirkt auf mich persönlich ziemlich unprofessionell, es sieht mir nicht mehr zeitgemäß aus. So als würde man Neu-York sagen. Auch da würde ich eher Al-Qamishli schreiben, mit sh und mit „Al-“ davor. Das wäre ein zweiter Grund, nicht Qamischli zu schreiben.

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