Von Daniel Schwen - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2732231

Von Daniel Schwen – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2732231

Die Göttinger Piraten sehen dieselbe Ursache hinter den erhöhten Göttinger Stickoxid-Werten und den gleichzeitig beobachteten rückläufigen Radverkehrszahlen.

Sowohl an der Robert-Koch-Straße in Höhe des Klinikums als auch am Christophorusweg, beide Stellen Teil des 2013 neu gebauten eRadschnellwegs, wurden 2015 weniger Fahrräder gezählt als 2014. Eigentlich sollte erwartet werden, dass zumindest nach einer gewissen Eingewöhnungsphase eine Steigerung zu beobachten wäre.

Doch während am Christophorusweg mit einem Minus von 1 % (636.030 in 2014, 630.549 in 2015) der Rückgang noch relativ moderat ausfiel, brachen die Zahlen an der Robert-Koch-Straße (1.212.711 in 2014, 1.075.631 in 2015) um mehr als 10 % ein.[1]

Gleichzeitig ermitteln Gutachterbüros bei Verkehrszählungen, die beispielsweise im Zuge der Planung einer eventuellen Verlegung der Bundesstraßen B 3/B 27 veröffentlicht wurden, weiterhin stetig steigende Zahlen im Pkw-Verkehr. Das Resultat – zunehmende Stickoxid-Werte – ist inzwischen bestätigt und die Stadt tut sich schwer damit, diesen Effekt zu erklären.

Friederike Buch (2016)»Radverkehr verliert trotz enormer Investitionen und stellenweise guter Fahrbedingungen in der Summe immer mehr an Attraktivität, während Pkw-Verkehr augenscheinlich immer attraktiver wird«, so Friederike Buch, Mitglied des Vorstands und der Arbeitsgruppe Ampelpiraten. »Beides hängt zusammen und hat genau dieselbe Ursache: eine seit Jahren verfehlte Verkehrspolitik in der angeblich fahrradfreundlichen Stadt Göttingen

Als eine der Hauptursachen machen die Piraten die unkoordinierten Ampelschaltungen aus, die die teils durchaus anerkennenswerten baulichen Leistungen geradezu torpedieren. Am Weender Tor wurden 2014 die Wartezeiten an den Ampeln für den Rad- und Fußverkehr spürbar verlängert. Bestens gelungen ist der perfekt ausgebaute Radschnellwegabschnitt zwischen Weender Tor und Godehardstraße – doch die Grünphasen sind so geschaltet, dass ein Fahrrad auf dem Radschnellweg nicht schneller als 10 km/h fahren kann.

Auch im Zuge der Planung des neuen Radschnellwegabschnitts zwischen Groner Tor und Leinebrücke/Rosdorfer Kreisel wird die Fahrtzeit nicht mit in die Planungen eingerechnet, schon in der Planungsphase ein fataler Fehler. Die Piraten stimmen der von den Grünen im Bauausschuss am 18. Februar 2016 vorgetragenen Ansicht nicht zu, egal für welche der von der Verwaltung vorgeschlagenen Varianten man sich am Ende entscheide, die Radfahrer würden die Strecken hinterher annehmen.

Die Zahlen im Nordbereich zeigen auf, dass dieser Fall nicht eintritt, und dass die Verkehrsplanung sich vorher ernsthaft bemühen muss, möchte sie Fehlinvestitionen vermeiden.

 

[1] Dank der Induktionsschleifen werden die Radverkehrszahlen an immer mehr Stellen am neuen eRadschnellweg zuverlässig erfasst. Dies war eine Bedingung der Fördermittelgeber für das Millionenprojekt. Die Zahlen sind öffentlich zugänglich, lassen sich gut analysieren und werfen ein präzises Bild in aktuelle Entwicklungen des Radverkehrsaufkommens, wo bislang nur Mutmaßungen die Entscheidungsfindungen bestimmten.