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Piraten beklagen weiterhin dramatische Abnahme der Radverkehrszahlen

Die Piraten beobachten weiterhin abnehmende Radverkehrszahlen an den Zählanlagen des Göttinger Radschnellwegs. Auch Mitte 2017 liegen die Werte, die an den Zählanlagen der Berliner Straße und der Robert-Koch-Straße gemessen werden, erneut unter denen des Vorjahres. Gleichzeitig steigt die Zahl der Studierenden.

Bereits kurz nach Einführung des Semestertickets wurde 2015 an der Zählanlage Robert-Koch-Straße ein Rückgang um 11 % gegenüber 2014 festgestellt. In den folgenden Jahren nahm der Radverkehr dort weiterhin um 1 % pro Jahr ab. Fuhren 2014 noch 1,21 Millionen Räder vorbei, sank diese Zahl 2016 auf 1,06 Millionen. In den ersten fünf Monaten 2017 hat sich dieser Trend nun weiter fortgesetzt. Gegenüber 2016 haben die bisherigen Zahlen 2017 nochmals um einen weiteren Prozentpunkt nachgegeben.

An der Berliner Straße, wo seit Juli 2015 in Höhe der Hauptpost gezählt wird, sind noch drastischere Rückgänge zu verzeichnen. Während in der zweiten Jahreshälfte 2015 noch 3.030 Räder pro Tag dort vorbeifuhren, waren es 2016 im Schnitt nur noch 2.710 Fahrräder. Dies entsprach einem Rückgang von 11,5 % in nur einem Jahr. In der ersten Jahreshälfte 2017 wurden nur noch 2.490 Räder pro Tag gezählt, was einem Rückgang um weitere 8,1 % gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr entsprach, fast 18 % unter dem Niveau der zweiten Jahreshälfte 2015.
Während städtische Statistiken auf der Basis von Haushaltsbefragungen seit Jahren eine Zunahme des Radverkehrs zu belegen meinen, deuten die gemessenen Zahlen dramatische Abnahmen an.

»Die Ergebnisse der Haushaltsbefragungen legen nahe, dass diese keine zuverlässigen Ergebnisse liefern. Entweder beteiligen sich diejenigen, die täglich das Auto benutzen, immer seltener an den Befragungen, oder ihre Antworten entsprechen zunehmend einem Wunschdenken«, so Angelo Perriello, zweiter Vorsitzender des Kreisverbandes.

Mit der Einführung des Semestertickets alleine lassen sich insbesondere im Bahnhofsbereich die Rückgänge nach 2015 nicht erklären. In den Zahlen zeigen sich Auswirkungen von gravierenden Fehlentwicklungen in der städtischen Verkehrsplanung. Insbesondere die schlechten Ampelschaltungen und das Verbot, bei Rot rechts abbiegen zu dürfen, bewirken hohe Zeitverluste im Radverkehr.

Die Piraten fordern die Stadt auf, endlich mehr für den Radverkehr zu tun und hierzu auch im Straßenbild sichtbare Ergebnisse zu liefern. Die Stadt darf sich nicht auf den Lorbeeren des stellenweise vorbildlich gelungenen eRadschnellweges ausruhen. Die Vernetzung solcher Strukturen mit Radverkehrsanlagen in der gesamten Stadt muss stark verbessert werden.

»Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass in Göttingen ein Pilotprojekt durchgeführt wird, um Fahrrädern das Rechtsabbiegen bei Rot an etwa 80 Stellen in der Stadt mit einer Grünpfeilregelung zu erlauben. In immer mehr Nachbarländern gibt es inzwischen solche Schilder«, so Perriello weiter.

Göttingen ist wie ganz Deutschland nach wie vor einseitig auf den Autoverkehr fixiert und hinkt der verkehrspolitischen Entwicklung vieler europäischer Universitätsstädte teils um viele Jahre hinterher. Die Stadt lässt durch Tatenlosigkeit zu, dass immer mehr Menschen vom Fahrrad auf motorisierte Fahrzeuge umsteigen.

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