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Partnerschaft Kreis Göttingen mit Hackney (GB) vor dem aus?

Wo geht es hin mit deutsch-englischen Städtepartnerschaften? Wegen der Isolation des britischen Premiers auf dem letzten Gipfel der Europäischen Union – so wird vermutet – wurde von konservativ dominierten Räten in England bereits eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Friedberg in Mittelhessen gekündigt [1]. Interessant ist auch die Bemerkung des dortigen Bürgermeisters, wonach das Konzept der Städtepartnerschaften „veraltet“ ist.

 

Foto des Rathauses des London Borough of Hackney
Hackney Town Hall (Quelle: Wikipedia)

Auch der Landkreis Göttingen führt eine Städtepartnerschaft mit Hackney [2], einem Stadtteil von London. Diese wurde ursprünglich von dem Altkreis Münden eingegangen und nach der Bildung des Landkreises Göttingen übernommen. Die HNA berichtet in einer Onlinemeldung von heute [3], die Verbindung stand nie auf breiten Schultern und es habe bereits seit 10 Jahren keinen Austauch mehr gegeben.

 

Die Nahe liegende Frage, ob es dann nicht besser sei, offiziell die Partnerschaft zu beenden, beantwortet ein Sprecher des Göttinger Landrates mit dem Satz „Eine Trennung sei vonseiten des Landkreises wirklich zu überlegen.“

 

Aus dem Haushaltsplanentwurf geht hervor, es sind im Jahr 2011 vier Internationale Begegnungen geplant. Für das Jahr 2012 sind drei veranschlagt. Bei dieser so genannten „Zielkennzahl“ handelt es sich wohl um Kosten, die der Verwaltungsführung für Begegnungen auf Internationaler Ebene zur Verfügung stehen.

 

Es ist in der Tat so, dass Städtepartnerschaften in einer Zeit gegründet wurden, als Reisen in das Ausland noch eher die Ausnahme waren. Inzwischen sind Reisen in das europäische Ausland, häufig auch mehrere in einer Schullaufbahn, die Regel. Wenn es neben vom Landkreis geförderten Treffen überhaupt keine Kontakte auf privater Ebene gibt, ist es in der Tat ehrlicher, die Beziehung im Guten zu beschließen.

 

Wie stehst Du zu dem Thema? Wusstest Du überhaupt, dass der Kreis eine Partnerschaft mit für Reisen auf die Insel so günstig gelegenen Kommune führt?

 

[1] http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36090&key=standard_document_43435122, 18.12.2011

[2] http://en.wikipedia.org/wiki/London_Borough_of_Hackney , 18.12.2011

[3] http://www.hna.de/nachrichten/landkreis-goettingen/hann-muenden/partnerschaft-hackney-england-ueber-offizielle-trennung-wird-nachgedacht-1534190.html, 18.12.2011

4 Kommentare zu “Partnerschaft Kreis Göttingen mit Hackney (GB) vor dem aus?

  1. Kontakte im Rahmen von Städtepartnerschaften werden in der Regel von wenigen Personen getragen. Fallen diese weg, können die Kontakte einschlafen. Treten Skeptiker am Modell „Städtepartnerschaften“ hervor, können Partnerschaften aus welchen Gründen auch immer in Gefahr geraten. Wie jetzt anscheinend in England geschehen.
    Ist das Modell „Städtepartnerschaft“ in der heutigen Gestaltung noch aktuell? Die Frage kann ich so ohne weiteres nicht mit JA oder NEIN beantworten. Für mich heißt das weiter, daß man die Diskussion zum Anlaß nimmt, sich grundsätzliche Gedanken zu einer zeitgemäßen Ausgestaltung von Partnerschaften zu machen. Dabei stelle ich mir die Fragen:
    – Wer sind die tatsächlichen Träger der jeweiligen Partnerschaft?
    – Bestehen neben der Partnerschaft von Kommune zu Kommune andere direkte Partnerschaften von Institutionen aus den jeweiligen Kommunen, wie Schule zu Schule, Verein zu Verein, Klinik zu Klinik, Feuerwehr zu Feuerwehr, Polizei zu Polizei usw. usw. was es noch so für Möglichkeiten geben mag?
    – Sind diese direkten Partnerschaften überlebensfähig ohne Unterstützung der Partnerschaft Kommune zu Kommune?
    Wenn direkte Partnerschaften ihre Kontakte selbst ausgestalten könnten, dann würden die Kommunen nur die Funktion eines Türöffners haben. In diesem Falle könnte es möglich sein, ohne offizielle Städtepartnerschaft auszukommen.
    Jedoch sollte man nicht generell auf Partnerschaften über Ländergrenzen hinweg verzichten?

  2. Meinhart Ramaswamy

    Ich halte offizielle Partnerschaften für sinnvoll. Eine Förderung direkter Beziehungen auch der Verwaltungen und Abgeordneten. Anders kann die Beziehungen nur dem Zufall überlassen bleiben. Kommunen haben ihre eigene Sicht auf die Dinge. Ein Austausch darüber ginge verloren. Wollen wir als Europäer zusammenwachsen, brauchen wir Partnerschaften zur intensiven Begegnung. Sie muss aber auch ausgeübt werden. Nur pro forma bringt keinen Fortschritt. Dann ehrlich sein.

  3. Andi Knopf

    Zu dem Verhältnis der Städtepartnerschaft des Kreises Göttingen kann ich nicht viel sagen, aber in meiner Heimatstadt gibt es auch ein Partnerschaft mit einer Stadt in England, einer in Belgien und in Frankreich. Diese werden aktiv gelebt, so gibt es nach England und Frankreich ein Programm, bei dem Jugendliche jeweils in der Partnerstadt bei Familien unterkommen können. Dadurch entstehen Freundschaften die mitunter lange anhalten. Ich selber war erst vor zwei Jahren bei einem Freund der Familie zu Besuch, diese Freundschaft entstand durch diese Partnerschaft.

    Aus der Partnerstadt in Belgien kommt jedes Jahr zum Altstadtfest (ja sowas gibts bei uns noch), eine kleine Gruppe und betreibt einen sehr beliebten Stand, bei dem man das dortige Bier trinken kann.

    Werden Partnerschaften so aktiv gelebt halte ich sie auch heute noch für sinnvoll. Im Fall Göttingens sollte man vielleicht mal hier und auch in Hackney nachfragen, ob Interesse besteht die Partnerschaft zu beleben. Falls dies nicht der Fall ist, sollte man sie einvernehmlich beenden. Eine einseitige Beendigung ohne Aussprache fänd ich aber nicht gut.

  4. Martin Rieth

    Da ich auch der Meinung bin, dass die aktuell gelebte Form der Städtpartnerschaften eher veraltet ist und der Austausch eingeschlafen ist.
    Möchten wir neue Partnerschaften anstreben, die jeweils nur für ein Jahr gelten. Die Städte werden dann gut im Voraus geplant. Schulfahrten, Praktika und auch Referate im Unterricht, etc. werden dann im Folgejahr auf eine andere Stadt ausgerichtet.
    So kann wirklich ein lebendiger Austausch mit vielen Kulturen erreicht werden, der aktuell nicht mit dem Konzept der Städtepartnerschaft geleistet werden kann.
    [x] Dafür. Ich sach 42, Martin

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