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Nach Kahlschlag im Unterholz: Piraten fordern, Ascherberg-Wald unter Naturschutz zu stellen

Die Göttinger Piraten kritisieren die in den vergangenen beiden Jahren erfolgten Rodungsmaßnahmen am Ascherberg-Waldrand westlich des Göttinger Kiessees und fordern, den betroffenen Waldbereich abzugrenzen und unter Naturschutz zu stellen.
In den vergangenen beiden Jahren hatte die Stadt am Ascherberg-Waldrand mehrere Male stark in den Strauchbestand eingegriffen, was unter anderem von Ornithologen als Kahlschlag im Unterholz kritisiert worden war. In einem breiten Bereich wurde sämtliches Unterholz entfernt, die Wurzeln der Sträucher aus dem Boden genommen und der Waldboden massiv beeinträchtigt. Naturschützer wiesen darauf hin, dass durch die Maßnahmen der Lebensraum mehrerer Dutzend Vogelarten betroffen war.

„Das Bundesnaturschutzgesetz bietet hier eine Möglichkeit, das Waldgebiet westlich des Kiessees unter Naturschutz zu stellen – und zwar auch nachdem der Waldrand zerstört wurde. Ziel muss dann die Wiederherstellung einer Lebensgemeinschaft wild lebender Tier- und Pflanzenarten sein. Und genau das wollen wir,“ so Francisco Welter-Schultes, Mitglied im Umweltausschuss.

Leuchtkäfer aus dem Waldrandbereich verschwunden

Nicht nur für Vögel, auch für andere Tiere im Kiessee-Randbereich hatten die Eingriffe im Frühjahr gravierende Auswirkungen. An warmen Juniabenden fällt nun auf, dass genau in den Bereichen des Ascherberg-Waldrandes, aus dem die Strauchbestände vollständig entfernt wurden, keine Leuchtkäfer mehr fliegen. Die Weibchen des Kleinen Leuchtkäfers Lamprohiza splendidula – im Volksmund auch Glühwürmchen genannt, sind flugunfähige Bodentiere und auf einen intakten Waldboden angewiesen. Männliche Kleine Leuchtkäfer fliegen unter Sträuchern mittlerer Höhe, wie sie am Ascherberg-Waldrand vorher vorhanden waren.

„Leuchtkäfer sind eine Indikatorart für intakte Bodenbedingungen und leben bevorzugt in Auwäldern, die es in den Flussniederungen heute kaum noch gibt. Nach der Einebnung des Waldbodens im betroffenen Ascherberg-Waldrandbereich sind die Tiere aus diesem Bereich verschwunden. Selten lässt sich das zunehmende Verschwinden von Nutzinsekten so unmittelbar beobachten wie im Fall des zerstörten Ascherberg-Waldrandes. Die Leuchtkäfer fliegen heute nur noch im südlich angrenzenden Bereich, wo die Waldrandabschnitte noch nicht gerodet wurden“, so Welter-Schultes weiter.

Weil intakte Naturböden und Strauchbestände in deutschen Städten immer stärker unter Druck stehen, ist der Kleine Leuchtkäfer inzwischen deutlich seltener geworden. Ein weiteres Problem stellt die zunehmende Lichtverschmutzung in den späten Abendstunden dar. Fliegende Leuchtkäfermännchen scheuen Kunstlicht.
Leuchtkäferlarven ernähren sich von Nacktschnecken und gelten daher als Nützlinge im Gartenbau. Mit dem Rückgang der Leuchtkäferpopulationen gerät in Göttingen ein weiteres Nutzinsekt immer stärker unter Druck.

Quellen:
[1] BNatSchG § 23 (1) Satz 1
https://www.gesetze-im-internet.de/bnatschg_2009/__23.html

Fotos:

Leuchtkäfermännchen, aufgenommen im Juni 2016 am IWF-Gelände.
Links die cremefarbenen Leuchtorgane.

Flugfähiges Leuchtkäfermännchen.


Flugunfähiges Weibchen des Kleinen Leuchtkäfers, auch Glühwürmchen genannt.
Die Weibchen sitzen am Boden und leuchten dann, wenn sie über ihnen männliche Leuchtkäfer fliegen sehen.
Die Tiere finden sich so zur Paarung.


Ascherberg-Wald kurz nach der Rodung der Strauch- und Unterholzbestände im März 2016


Der Ascherberg-Waldrand heute (Juni 2017): Kahle Baumstämme ohne begleitendes Unterholz.


Der Ascherberg-Waldrand wurde in einem weit ausladenden Bereich massiv beeinträchtigt.
Leuchtkäfer waren im Juni 2017 hier nicht mehr zu beobachten, erst wieder am südlich
angrenzenden Waldrand (im Bild ganz links).

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