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Kunstquartier: Piraten fordern fairen Wettbewerb

Pressemitteilung des Kreisverbandes, 12.10.2015

Die Piraten kritisieren die von der Stadt vorgeschlagenen Wettbewerbsbedingungen für das geplante Kunstquartier als unfair. Stadtbaurat Thomas Dienberg schlug vor, fünf Architekturbüros als gesetzt in den Wettbewerb aufzunehmen, dazu zehn weitere, die per Losentscheid aus vermutlich etwa 100 zusätzlichen Einsendern ausgewählt werden sollen.

»Das ist absolut unfair und das Gegenteil von einem leistungsbezogenen System«, so Ratsmitglied Dr. Meinhart Ramaswamy.

Unter besonderer Kritik steht das Architekturbüro Sergio Pascolo aus Venedig, welches zu den fünf gesetzten Büros zählen soll und bereits mit Windausweg, Alfred-Delp-Weg und Seniorenresidenzen viele Aufträge in Göttingen realisiert hat, vornehmlich im sozialen Wohnungsbau.
Auf Nachfrage der CDU im Bauausschuss hatte Dienberg erläutert, die gesetzten Büros hätten mit historischen Baumaterialien besonders viel Erfahrung.

»Pascolo hat bislang nur mit Beton und Stahl gearbeitet und nach den bekannten realisierten Projekten keinerlei Erfahrung mit historischen Baustoffen«, kritisiert Ramaswamy. »Dieses Büro muss von der Liste entfernt werden. Sonst sieht es schon wieder so aus, als würden die Aufträge unter der Hand vergeben

Göttinger moderne Architektur von Sergio Pascolo am Beispiel der Wohnanlage Windausweg. Der Entwurf für Berlin-Tempelhof sah dieser Anlage sehr ähnlich.

Besonders pikant: ausgerechnet Pascolo gehörte zu den Architekten, die in Berlin 2009 eine Bebauung für Randareale des Tempelhofer Feldes entworfen hatten – eine ausnehmend unattraktive Planung, die 2011 zur Gründung einer Bürgerinitiative führte. Diese gewann 2014 einen viel beachteten Bürgerentscheid in ganz Berlin gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes. Die Berliner Bevölkerung hatte jegliches Vertrauen verloren.

»Es ist keine großartige Leistung eines Architekten, so viel Unmut in der Bevölkerung einer Millionenstadt auf ein Bauprojekt zu ziehen, dass sogar ein Bürgerentscheid gegen jegliche weiteren Baupläne durchkommt«, befindet Ramaswamy.

Die Piraten fordern, alle eingereichten Architekturvorschläge der Öffentlichkeit vorzulegen. Es muss ein Kontingent von mindestens fünf Vorschlägen geben, die in einem demokratischen Abstimmungsverfahren (mit Benotungen) von der Bevölkerung ausgewählt werden können. Vorab gesetzte Büros darf es nicht geben.

»Alle Vorschläge müssen eine reale Chance erhalten, in einem öffentlichen Benotungssystem durch Leistung überzeugen und bestehen zu können. Ein Losverfahren würde bedeuten, dass die Stadt Leistung nicht verdient hat«, so Ramaswamy weiter.
»Die kontinuierliche Zerstörung des historischen Charakters der im Krieg nur zu 2 % zerstörten Innenstadt darf sich nicht mit jedem neuen Bauprojekt immer weiter fortsetzen

Zudem hinterfragen die Piraten die Zusammensetzung der Jury und fordern auch dort ein Mitentscheidungsrecht für die Öffentlichkeit, mit öffentlichen Benotungen als entscheidendes Kriterium.
In den Wettbewerbsjuries saßen bislang immer dieselben Personen und Personengruppen. Die Leistungen der Juries waren teilweise so schlecht, dass es besser gewesen wäre, solche Feigenblatt-Wettbewerbe mit viel zu offensichtlich bereits vorher feststehenden Siegern sein zu lassen. So hatte im Wettbewerb zum IWF-Bauprojekt am Nonnenstieg niemand in der Jury erkannt, dass die eng stehenden Wohnblocks des Siegerentwurfs sich gegenseitig viel zu stark verschattet hätten. Ein Anfängerfehler, auf den Laien später aufmerksam gemacht hatten.

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