Pressemitteilung des Kreisverbandes, 14.01.2016

Die Göttinger Piraten erneuern ihre Kritik an der Ausschreibung zum Architekturwettbewerb für das geplante Galeriehaus im Kunstquartier. Dort soll ein fensterloses dreistöckiges Gebäude errichtet werden, mitten in der historischen Innenstadt.

Unter besonderer Kritik steht dabei die Verzerrung der Wettbewerbsbedingungen, die unter anderem dazu führte, dass Büros ungleich behandelt wurden und das umstrittene Architekturbüro Sergio Pascolo aus Venedig an den Anforderungen und am Losverfahren vorbei direkt in den Wettbewerb eingeschleust wurde.
Ermöglicht wurde das durch einen Trick der Stadtverwaltung, der den Gesichtspunkt „Leistung“ an einer entscheidenden Stelle ausklammerte. Denn fünf Büros, die von der Verwaltung ausgesucht worden waren, mussten sich am Losverfahren nicht beteiligen – darunter Pascolo.
Die Piraten hatten bereits im Oktober gefordert, Pascolo (realisierte Projekte: Windausweg, Alfred-Delp-Weg, Seniorenresidenzen…) von der Liste der fünf gesetzten Büros zu entfernen. Dies war von der Verwaltung ignoriert worden.

Göttinger moderne Architektur von Sergio Pascolo am Beispiel der Wohnanlage Windausweg. Nach Ansicht der Verwaltung wäre offenbar auch in der historischen Innenstadt eine Lösung in diesem Stil passend.

»Pascolo hat bislang nur mit Stahl und Beton gearbeitet. Er vertritt einen längst überholten Baustil, der in den Medien immer häufiger als DDR-Architektur bezeichnet wird. Es scheint sich immer deutlicher herauszukristallisieren, dass die Aufträge auch bei diesem Bauprojekt unter der Hand vergeben werden sollen«, so der kulturpolitische Sprecher der Piraten-Ratsfraktion, Meinhart Ramaswamy.

Die Zusammensetzung der Jury ist, wie in vergangenen Wettbewerben, so gewählt worden, dass von Anfang an die führende Rolle der Verwaltung sichergestellt zu sein scheint. Da Pascolo dort fast schon als Hausarchitekt gelten kann, erscheint die angebliche Anonymisierung bei der Auswertung der Vorschläge wie eine Farce.

Besonders pikant: ausgerechnet Pascolo gehörte zu den Architekten, die in Berlin 2009 eine Bebauung für Randareale des Tempelhofer Feldes entworfen hatten – eine ausnehmend unattraktive und phantasielose Planung, die am Ende maßgeblich dazu beigetragen hatte, dass die Berliner Bevölkerung 2014 in einer Volksabstimmung die Bebauung des gesamten Areals des ehemaligen Flughafengeländes verweigerte.

Die Piraten fordern nach wie vor ein Mitentscheidungsrecht für die Öffentlichkeit, mit öffentlichen Benotungen als entscheidendes Kriterium. Der Stadtverwaltung scheint immer noch jedes Bewusstsein für den enormen Wert der historischen Göttinger Innenstadt abzugehen.
»Die kontinuierliche Zerstörung des historischen Charakters der im Krieg nur zu 2 % zerstörten Innenstadt darf sich nicht mit jedem neuen Bauprojekt immer weiter fortsetzen«, so Ramaswamy.