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Kandidatenportraits: Francisco Welter-Schultes

KandidatenMein Name ist Francisco Welter-Schultes, ich bin 50 Jahre alt und kandidiere als Spitzenkandidat der Göttinger Piraten zur Ratswahl auf der Position 1 im Wahlbereich 5 Innenstadt.

Mein Spezialgebiet ist die Bau- und Verkehrspolitik. Beruflich arbeite ich als Zoologe und bin dort als Experte für Weichtiere Mitglied in der Zoologischen Nomenklaturkommission, einer Art Oberstes Gericht für die wissenschaftliche Tiernamensgebung. Ich spreche acht Sprachen und meine Hobbies sind Laufsport und Wikipedia-Artikel schreiben.

Nach 1983 war ich jahrelang bei den Grünen in Schleswig-Holstein aktiv, ab 1991 in der Grünen Hochschulgruppe der Uni Göttingen.
Francisco Welter-Schultes (2016)Nachdem ich Anfang 2014 nach ausnehmend schlechten Erfahrungen in der Ratspolitik insbesondere im Umgang mit den Bürgern im umstrittenen IWF-Bauprojekt einsehen musste, dass keine der drei großen Parteien in einer angemessenen Weise Respekt vor der eigenen Bevölkerung zeigt und Bürgerbeteiligung dort nicht so interpretiert wird, wie ich es bislang verstanden hatte, habe ich mich entschieden, bei der Piratenpartei mitzuarbeiten. Bürgerbeteiligung heißt für mich, dass die Bürger gefragt werden, dass daraus ein Ergebnis ermittelt und das dann umgesetzt wird.

2012 gelangten die Pläne zur Bebauung des IWF-Geländes an die Öffentlichkeit. Seitdem habe ich mich zunächst für 2 Jahre in der Nonnenstieg-Bürgerinitiative für die Interessen der Anwohner des nördlichen Ostviertels eingesetzt, später auch im Verein Stadt und Planung Göttingen e.V.

2013 habe ich für das IWF-Gelände eine Wohnanlage in Hundertwasser-Architektur entworfen. Sogar Hundertwassers Architekt Heinz Springmann aus Esslingen hatte sich bereiterklärt, sich in Göttingen für dieses Projekt zu engagieren.
Es scheiterte leider daran, dass die SPD-Ratsfraktion sich dagegen aussprach. Schade, sonst hätte Göttingen heute ein Hundertwasserhaus.

2016-08-10-flyer-fwsDie Ende 2014 von OB Köhler getroffene Entscheidung, die kurz vorher sanierten IWF-Gebäude nachzunutzen und 200 Flüchtlinge dort unterzubringen, war richtig.
Was nur wenige wissen: das war hart erkämpft. 100 Bürger reichten Anfang 2014 über 1000 Seiten Einwände gegen das übertriebene Bauprojekt ein und legten ein halbes Jahr das Rathaus lahm. Erst dann gab die Stadt nach.

In der Verkehrspolitik liegt in Göttingen einiges im Argen. Hier wurde 40 Jahre lang die Zeit verschlafen. Es geht nicht darum, dass eine Ampel versehentlich Rot-Gelb-Gelb leuchtet, es geht um viel grundätzlichere und ernsthaftere Fragen.
Ich fahre selbst Fahrrad, habe keinen Führerschein und wundere mich seit meiner ersten Woche in Göttingen, wie wenig die Göttinger Radverkehrs-Infrastruktur mit den enorm hohen Nutzungsgrad korrespondiert. Wenn man dahinter schaut, kommt heraus, dass nach wie vor immer nur einseitig für den Autoverkehr geplant wird, unter anderem weil die 33.000 Studentinnen und Studenten keinerlei Einfluss auf die städtische Verkehrspolitik haben.

Klimapolitisch geht das meiner Ansicht nach in die völlig falsche Richtung. Die Grünen wollen diese Realitäten nicht wahrhaben und müssen sich vorwerfen lassen, mit ihren 28 % aus der letzten Wahl fahrlässig umgegangen zu sein. Immer wieder setzen die Grünen in Göttingen genau das Gegenteil von dem um, was sie in ihrem Programm stehen haben. Sie wollen gar nicht sehen, dass beispielsweise das Radverkehraufkommen an der Robert-Koch-Strasse seit dem Umbau am Weender Tor 2014 um mehrere Prozent pro Jahr kontinuierlich zurückgeht. Dort waren die Grünphasen für Autos auf die maximal möglichen Werte erweitert und die für den Fußverkehr von 33 auf 7 Sekunden (von 90) reduziert worden.

Die Göttinger Piraten haben sich 2015 dafür ausgesprochen, an über 60 Göttinger Ampeln Radfahrern das Rechtsabbiegen bei Rot zu erlauben.
Unseren Antrag dazu lehnten SPD und CDU/FDP im Rat leider ab. Wenige Tage später ging derselbe Antrag in München und in Köln durch. Kölner Piraten hatten unseren Antrag im Netz gefunden und im dortigen Rat selbst eingereicht.
Mal sehen, wann Göttingen endlich aufwacht… sonst schreiben wir weiter gute Anträge für andere Städte.

Piratenpartei hört sich für die Lokalpolitik in einer relativ kleinen Großstadt vielleicht ein wenig exotisch an. Aber es geht nicht anders. Die anderen Parteien im Rat sind keine Option, wenn jemand mit dem hier praktizierten Politikstil unzufrieden ist und etwas verändern will. Bürger mit Fachwissen werden teils rüde behandelt, gerade von Grünen und SPD. Wenn Bürger im nächsten Stadtrat noch einmal von Ratsmitgliedern beschimpft werden, werde ich einschreiten und den Mund aufmachen.

Mit ein bisschen Einblick bekommt man unweigerlich enormen Respekt vor der Leistung der Piraten-Ratsfraktion, deren Mitglieder in den vergangenen 5 Jahren zwei- bis fünfmal so viel gearbeitet haben wie die der anderen Fraktionen. Ich arbeite selber sehr viel und oft bis spät nachts, aber vor dieser Vorlage kann man nur den Hut ziehen und sich bang die Frage stellen, wie man wohl dieses Pensum im nächsten Stadtrat auch nur halbwegs halten will.

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