Der Stadtrat und der Kreistag haben auf der letzten Sitzung [1] beschlossen, Gespräche über eine gemeinsame Schulentwicklungsplanung und der Planung einer 3. städtischen Gesamtschule zu führen.

Gebäude der Voigtschule in Göttingen
Gebäude der Voigtschule in Göttingen

Für die Piratenpartei hat Meinhart Ramaswamy (MKR) an der ersten Arbeitskreissitzung am 21. Juni in der IGS Bovenden teilgenommen. Dies ist eine gute Gelegenheit, mit ihm über die Hintergründe der Planungen zu sprechen.

1. IGS / KGS

AS: Die Schule in Geismar wurde ja von einer Kooperativen Gesamtschule (KGS) in eine Integrierte Gesamtschule (IGS) umgewandelt. Kannst Du uns in drei bis vier Sätzen den Unterschied zwischen diesen Schulformen erkären?
MKR: In einer KGS werden ABC Zweige gebildet, nachdem vorher einzelne Leistungsniveaus unterschieden wurden. Sie entsprechen den Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialniveaus, kooperativ eben, neben einander. Bei einer IGS werden die Schüler gemeinsam in Klassen oder Kursen geführt, die binnendifferenziert werden. Es gibt keine Einteilung in Hauptschule, Realschule & gymnasiale Niveaus.

2. Was wird aus der Realschule?

AS: Dadurch, dass die Voigtschule aus dem Stadtzentrum nach Weende verlegt wurde, hat sich die Anreise für viele Schülerinnen und Schüler aus dem Altkreis verlängert. Für viele ist es bequemer geworden, die Oberschule in Groß Schneen zu besuchen. Nun soll aus der Schule eine IGS werden. Viele Realschüler haben die Möglichkeit genutzt, im Anschluss ein (echtes) Gymnasium, die Fachoberschule zu besuchen oder eine Berufsausbildung zu beginnen. Warum dürfen Kinder in Göttingen und Umgebung nicht mehr eine Realschule besuchen?
MKR: Die Fragestellung ist (leicht) subjektiv, denn die Frage „echtes“ Gymnasium ist sehr ideologisch. Die Einzelförderung ist in einer IGS auf viele Jahre angelegt und führt so viele Schüler wie möglich zur Hochschulreife. Die Gymnasien in Göttingen stehen seit Jahr(zehnt)en in einem Wettstreit um das beste Abitur / beste Abiturdurchschnitt.

Wahlkampf mit Katze.
Wahlkampf mit Katze.

Dem entsprechend werden förder-notwendige Schüler eher aussortiert, dasmit die den Schnitt nicht verschlechtern. Das halte ich für ein überaltertes Vorgehen und entspricht meines Erachtens nicht einem demokratischen und modernen Bildungsauftrag. Zum anderen gibt es in Göttingen mit seinen fünf Gymnasien ein mehr als ausreichendes Gymnasialangebot, erst recht angesichts der demografischen Entwicklung.
Diejenige Realschule, um die es wirklich schade ist, ist die Personn Realschule Weende, weil die sich besonders um „Kinder mit Migrationshintergrund“ gekümmert hat. Da wurde sehr intensiv gefördert. Die Umwandlung in eine IGS würde die Bemühungen der Personnschule fortsetzen, die Schüler intensiv und individuell zu fördern. Dieser Wunsch – IGS zu werden – stammt im Übrigen von dem Kollegium der zusammengelegten Voigt/Personn-Schule und wird von der Elternachaft unterstützt.

3. Gutachten

AS: Auf der ersten Sitzung wurde über ein Gutachten berichtet. Was waren die kurz gefassten Ergebnisse des Gutachtens? Wurde es veröffentlicht und wo kann man das Gutachten durchlesen?
MKR: Sehr kurz zusammengefasst kommt der Gutachter zu der Empfehlung, auf der Basis von 2 x 4 klassigen Schule nachzudenken mit einem neuen uniquen Konzept. Das bedeutet eine 8-zügige Schule mit zwei Standorten. Angesichts der Schülerzahlenentwicklung und der Tatsache, dass die Stadt Göttingenn jünger wird (also Kinder zu erwarten wären), während das Land altert.

4. Worum gehts – Wohin gehts?

AS: Wie ist die erste Arbeitsgruppensitzung verlaufen? Gab es Konflikte, zwischen welchen Interessen liefen die Konfliktlinien?
MKR: Die Sitzung war sicher so etwas wie ein Abtasten, wohin die Reise gehen könnte. Es wurde zentral das Gutachten vorgestellt und die Aufgabendefinition der Arbeitsgruppe, sowie den parallel arbeitenden Beirats erörtert. Inhaltlich wurde nur getastet, wobei schon potentielle Konflikte absehbar sind:

  • Gymnasialinteressen vs. Gesamtschule
  • Angst um Schülerzahlen
  • Trägerschaft von Stadt und Kreis – wie kann das gehen
  • Unterschidliche Betreuungskulturen
  • Finanzausgleich / Finanzierung / Investitionen

5. … und die Piraten?

AS: Wie sind die Positionen der Piratenpartei zu diesen Themen?
MKR: Aus der Tatsache, dass sich der LV Nds der Piraten zur LTW für die Gesamtschule als Regelschule ausgesprochen hat, kann die Tatsache einer weiteren Gesamtschule nur begrüßt werden.
Auch der vom Stadtrat und Kreitag angestoßene gemeinsame Prozess, eine Empfehlung durch eine Kommission „aller“ Beteiligten zu machen, ist zu begrüßen. Allerdings wird ein hoher Zeitfruck entwickelt. Schon Anfang Dezember sollen Stadtrat und Kreitag eine Entscheidung treffen. Was eine intensive Arbeit (4 bereits festgelegte nächste Termine) zur Folge hat.

6. Ein Ausblick in die schulische Zukunft

AS: Wie ist die Situation und wohin sollte die Entwicklung aus Deiner Sicht gehen?
MKR: Die Voigtschule hat den Wunsch, IGS zu werden und möchte ein neues Konzept auf der Grundlage ihrer stark auf Förderung angelegten Arbeit, entwckeln. Die IGS Bovenden ist dabei ein neues Konzept zu entwickeln und setzt Stückweise die Ideen um.

Bildung und Betreuung - Der falsche Ort zum Sparen.
Bildung & Betreuung

Ein Zusammenpressen dieser beiden Prozesse könnte problematisch werden, weil nur Aussicht auf Erfolg hat, was beide Lehrerschaften (inkl. der beteiligten Eltern und Schüler) gemeinsam entwickeln. Das bedeutet, dass beide das bisher erarbeitete ersteinmal aufgeben müssten, quasi auf Null zurückkehren, um dann dasjenige einzubringen, was zusammen passt. Das erfordert hohe soziale Kompetenz und menschliche Größe, das zu schaffen.
Die Verwaltung könnte durch den Druck, den sie erzeugt, ein möglicherweise im Hintergrund exisitentes bzw. bom Gutachter und Beirat entwickeltes Konzept aufstülpen, was ein fataler Fehler wäre. Auf der anderen Seite hat Herr Lieske mir auf Nachfrage bestätigt, dass die Empfehlung, die die Arbeisgruppe geben wird, hohe Umsetztungswahrscheinlichkeit hat, denn ein solches Experiment die Schulentwicklung mit den Beteligten zu erarbeiten und der repräsentativen Politik Vorgaben zu machen darf eigentlich nicht misslingen.
AS: Vielen Dank für das Gespräch, Deine Antworten und die ehrenamtliche Arbeit, die Du in das Verfahren einbringst.
Liebe Leserinnen und Leser: Wenn Ihr Anmerkungen, Kritik, Wünsche habt oder es besser könnt, hinterlasst einen Kommentar auf dieser Seite oder wendet Euch an uns über Email oder die sonstigen Kontaktmöglichkeiten.
[1] http://www.piratenpartei-goettingen.de/piratenplanet/kreistag-2013-10-8899 (Top 8)

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