Die rechtlichen Voraussetzungen für die kommunalpolitisch so intensiv diskutierte Weiterentwicklung des Berufsbildenden Schulwesens in Göttingen sind eng. Die Landesschulbehörde sieht keinen Handlungsbedarf.

Blick auf die BBS Ritterplan
BBS Ritterplan in Göttingen

 

Neben der Weiterentwicklung der Berufsbildenden Schulen, einem Schulsicherungskonzept waren die Auswertung einer Elternbefragung zur Schulbeförderung und eine Resolution zum Schülercoachim an den Berufsbildenden Schulen Themen des Kreisschulausschusses am 4. Oktober in Göttingen.

Die Punkte

1 – 3 Sitzungseröffnung, Tagesordnung, Protokollgenehmigungen

liefen mit geringen Änderungen durch.

4 Mitteilungen und Berichte

Der Dezernent berichtete, dass drei Schulleiter, die sich bereits im Ausschuss vorgestellt hatten, nun die Stelle erhalten haben.

5Weiterentwicklung der Berufsbildenden Schulen im Landkreis Göttingen

Für mich überraschend waren wegen der Diskussion über die verschiedenen Konzepte zur Änderung der Strukturen der Berufsbildenden Schulen im Kreis drei Mitarbeiter der Landesschulbehörde anwesend, um über die rechtlichen Determinanten aus Sicht der Behörde Auskunft zu geben. Wenn die Struktur der Berufsbildenden Schulen in der Weise geändert werden soll, dass nicht mehr 5 eigenständige Schulen existieren, ist es nach Meinung des Juristen der Schulbehörde Voraussetzung, dass eine Schule aufgehoben wird (§ 106 NSchG).

Bildung und Betreuung - Der falsche Ort zum Sparen.
Bildung & Betreuung

Die Aufhebung muss der Landkreis als Schulträger beantragen. Der berufsbildende Bereich unterscheide sich hier nicht vom allgemeinbildenden Bereich. Als maßgeblich für eine Aufhebungsentscheidung sieht das Amt die Schülerzahlen in der Schule an. So steht es auch im Gesetz. Danach müssen die Schülerzahlen so gering sein, dass die Existenz der Schule bedroht ist. Die Schulamtsmitarbeiter waren nicht bereit, eine konkrete Schülerzahl für eine Untergrenze zu beziffern; ihre Einschätzung zu den Schülerzahlen an allen berufsbildenden Schulen Göttinges ging jedoch in die Richtung, dass dies in keiner der fünf Schulen der Fall war. In vielfacher Hinsicht lauteten die Stellungnahmen: “Wir sehen keinen Handlungsbedarf.” Seit 2003 wurde jedenfalls keine Berufsbildende Schule im Bezirk des Amtes wegen zu geringer Schülerzahlen geschlossen.

Die Schulamtsmitarbeiter gaben weitere Hinweise zur Form der Organisation des Schulwesens.

  • Eine Schule mit zwei Außenstellen sei schwer vorstellbar.
  • Die zumutbare Entfernung zwischen der Hauptstelle und der Außenstelle solle 30 Minuten Fahrzeit nicht wesentlich überschreiten
  • Der größere Teil der Schule kann eher nicht unter dem Begriff “Außenstelle” firmieren.

Damit muss ich konstatieren, dass viele der Konzepte nicht realisierbar sind. Die Frage, ob dies nicht zunächst hätte ausgelotet werden können, ist berechtigt. Ich habe den Eindruck, dass hier ohne Not viel Gehirnschmalz auf Konzepte verwendet wurde und viel Papier umsonst gedruckt ist.

Die offensichtlichen Probleme im Schulalltag der Berufsbildenden Schulen (Budgetüber und -unterschreitungen, starke und schwache Bildungsgänge) lassen sich wohl nicht durch organisatorische Eingriffe des Schulträgers beheben. Dies wünschen sich vermutlich einige Ausschussmitglieder, die im pädagogischen Bereich tätig sind. Wenn Schülerzahlen pro Bildungsgang weiter sinken, müssen Änderungen der Budgetschlüssel auf Landesebene diskutiert werden. Ob es ausreicht, dass das Kultusministerium ab 2013 die Mindestschülerzahl senken wird, ist mir nicht klar. Wenn ich es richtig verstanden habe soll dann ab einer Zahl von 6 (früher: 7) Schülern 80% des Budgets gewährt werden.

Die Einschätzung der Landesschulbehörde soll jetzt erst einmal in den Fraktionen beraten werden.

5.1 Verbindliches Schulsicherungskonzept für alle fünf BBS-Standorte
Antrag der Gruppe CDU/FDP

Dieser Punkt wurde auf die kommende Sitzung verschoben, weil die Antrag stellende Gruppe erst die zu 5. gemachten Aussagen des Schulamtes für sich auswerten will.

6 Auswertung der Elternbefragung zur Schülerbeförderung;

  • Antrag der Gruppe SPD-BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Mehrheitsgruppe spricht sich für die Durchführung einer professionellen Auswertung einer Schülerbefragung aus, die vom Kreiselternrat in Auftrag gegeben wurde. Die Kosten lägen nach einem Angebot – das den Ausschussmitgliedern nicht vorlag – bei 2380,00 EUR.

Die Auswertung ist sicherlich sinnvoll. Ich bin allerdings der Meinung, der Kreiselternrat muss etwas an seinem Kommunikationsverhalten ändern. Der Mehrheitsgruppe und dem Landkreis lagen offensichtlich bis zum Tag der Sitzung nicht einmal ein Musterexemplar der durchgeführten Befragung vor, geschweige denn das dem Kreiselternrat vorliegende Angebot über die Auswertung.

Der Vertreter verweist zwar auf die Internetseite. Dort ist der Fragebogen allerdings  erst auf Nachfragen eingepflegt worden und es erzeugt sicher nicht erheblich mehr Aufwand, den Bogen per Email an die Kreisverwaltung zur Weiterleitung zu versenden.

Die Verwaltung sagt, es handele sich um eine außerplanmäßige weitere Ausgabe. Das Budget sei knapp bemessen und es könne noch nicht gesagt werden, ob das Geld verfügbar ist. Umstritten war, ob es sich um eine freiwillie Ausgabe handelt oder ob die Auswertung als Bestandteil der Pflichtaufgabe “Schülerbeförderung” angesehen werden kann.

Der Antrag wurde angenommen.

7 Schülercoaching an den Berufsbildenden Schulen auch weiterhin durchführen

  • Resolution der Gruppe SPD-BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ein Gast erläuterte eine schöne Maßnahme, die in Hann. Münden ihren Ursprung hat und seit einiger Zeit an allen Berufsbildenden Schulen im Landkreis Göttingen durchgeführt wird. Darin wird Schülerinnnen und Schülern ermöglicht in freiwilligen Gesprächen außerhalb des Unterrichts mit den Lehrerinnen und Lehrern persönliche Stärken und Schwächen zu identifizieren.

Ich unterstütze den Antrag.

Muss es unbedingt “Coaching” heißen?

8 Anfragen und Anregungen

Ein Beschäftigter der Industrie- und Handelskammer Hannover gab eine Stellungnahme zu der unter 5 beschriebenen rechtlichen Situation ab. Ich hatte den Eindruck dass er angesichts der Auffassung der anwesenden Mitarbeiter der Schulbehörde sein Konzept nicht weiter verfolgen wird.

Wenn Du es bis hier geschafft hast … vielen Dank für Dein Interesse.

0 Kommentare zu “Die Berufsschulstandorte sind sicher!

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