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Der Müll, der Kreis und eine Abfuhr.

Im Landkreis ist vieles einfacher als in der Stadt. Ein Beispiel dafür ist die Regelung für die Abfuhr von Sperrmüll. Du weißt Anfang des Jahres, wann die Termine sind, kannst Dich darauf einstellen und stellst abends zuvor oder morgens in aller Herrgottsfrühe die sperrigen Gegenstände an die Straße.

Müllwagen
Müllwagen – Quelle: wikipedia.org CC BY-SA 3.0

Im Sommer hat das ein wenig Volksfestcharakter, weil oft viele Kleinlaster unterwegs sind. Die spähen aus, ob es noch etwas Verwertbares an den Straßenrändern gibt. Das sorgt für Gesprächsstoff mit den Müllsammlern und in der Nachbarschaft. Die ungünstige Seite der Medaille ist, dass die Müllsammler häufig doch nicht benutzbare Dinge an anderen Stellen unsachgemäß entsorgen. In der Gemeinde Rosdorf gab es viele Probleme damit.

In der Stadt ist das unpraktischer.

Du tippst eine Email an die Stadtreinigung – altmodische Gebührenzahler nutzen den Weg über das Telefon oder die Postkarte – und teilst mit, was so alles zur Entsorgung ansteht. Recht schnell bekommst Du dann eine Antwort und Du erfährst, wann der Müll abgeholt wird. Meistens passt der Termin nicht so schön in den Kalender, aber man nimmt ja gern Rücksicht auf die Müllabfuhr. Am Tage der Müllabfuhr merkst Du dann, dass eigentlich einige andere Dinge mit wegkönnen – Die Frage ist dann: Hoffentlich werden diese nicht angemeldeten Abfallstücke mitgenommen. Am Tage der Abholung stellst Du dann fest, dass nette Nachbarn den Müllstapel vergrößert haben und die sorgsam zusammengebündelten Müllteile von unangenehmen Zeitgenossen auseinander und recht gleichmäßig auf die Straße verteilt werden.

Dass könnte natürlich im Landkreis auch geschehen; mit ist es aber noch nicht passiert. Das mag an der größeren sozialen Kontrolle oder an der Tatsache liegen, dass man nicht so eng zusammen wohnt und weniger Laufkundschaft an den Müllstellen vorbei schlendern.

Möglicherweise hast Du gemerkt, dass ich das Müllsystem im Kreis besser finde als in der Stadt Göttingen. Das wäre genau dann keine Erwähnung wert, wenn nicht darüber diskutiert werden wird, ob das Niveau des Kreises auf den niedrigeren aber teuereren Stadtstandard abgesenkt werden soll. Die Diskussion findet am 19. Februar 2014 unter Tagesordnungspunkt 5. (“Sperrmüllabfuhr im Landkreis Göttingen – Diskussion der Abfuhrvarianten”) der Sitzung des Umweltausschusses (Raum 018, 15.00 Uhr) statt.

Die Mitteilungsvorlage des Landkreises ist übrigens wieder ein abschreckendes Beispiel für eine verunglückte Diskussionsgrundlage. Die Überschrift ist gelogen. Dort steht: “Kurz gefasste Darstellung des Sachverhaltes (Sach- und Rechtslage) mit Begründung”. Die Vorlage umfasst 4 Seiten und ist nicht kurz. Die Vorlage ist überwiegend passiv formuliert und rezipiert nicht die Vorschläge für einfache Verwaltungsprache, die sich der Landkreis selbst über die linguistische Beratung Sprachwerk gegeben hat.

Viele der darin angegebenen Behauptungen werden nicht belegt, zum Beispiel:

  • Die angeblich verstärkte Kritik an der jetzigen Form der Sammlung.

  • Die aufgeführten Vorteile sind verkürzt dargestellt und es fehlt der Hinweis auf die geringeren Kosten, die erst in der Folge unter Punkt 4 angegeben werden.

  • Die Grundlagen für das angegebene veränderte Nutzungsverhalten der Gebührenzahler (“Hemmungen”) sowie die angenommenden Gebührensteigerungen sind eher “gefühlt” (nicht nachvollziehbar).

Ich habe die (öffentlich verfügbare) Vorlage für Dich noch einmal hier hinterlegt (pdf).

Wenn Du mir etwas für eine mögliche Entscheidung im Kreistag mit auf den Weg geben willst, kannst Du hier einen Kommentar hinterlassen oder mich über meine weiteren Kontaktmöglichkeiten anfunken.

 Und immer daran denken: Dieser Blogeintrag stellt meine Meinung dar.

3 Kommentare zu “Der Müll, der Kreis und eine Abfuhr.

  1. Hallo Andi,

    Ich finde die Sperrmülllösung, so wie sie derzeit im Landkreis Göttingen gehandhabt wird auch viel besser als in der Stadt. Ich habe von einer Roringerin gehört, dass selbst bei angemeldeten Sperrmüllabholungen Müllsammler mit Kleintransportern anrücken. Die scheinen gute Informationsquellen zu haben.

    Da sind feste Abholtermine imho schon besser, da hat man dann auch nicht das Problem, dass über Nacht der angemeldete Müllberg durch Nachbarn verdoppelt wird.

    Gruß Marv

  2. Also ich dachte immer, die deutlisch schlechtere Variante in der Stadt sei wenigstens billiger. Wenn dies nicht so ist, sollten wir (Fraktion) eine detaillierte Anfrage an die GEB stellen, wie es zur Umstellung des besseren Systems zur aktuellen Situation kam.

    • Also bei meinem Text habe ich mich auf die Richtigkeit der Vorlage verlassen, die verlinkt ist. Da heisst es: „Die Abfuhr auf Abruf ist bezogen auf die eingesammelte Tonne Abfall im Vergleich zur Straßensammlung teurer.“ & „(…) eine Kostensteigerung der Sammlungskosten im Vergleich zur Straßensammlung um 24% ergeben“.

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