Ein Kommentar zu dem Blogbeitrag der letzten Kreistagssitzung hat mich zu einem etwas ausführlicheren Antwortschreiben veranlasst. Der Eintrag lautet wie folgt:

Wie verhält es sich nun mit dem ganz am Anfang genannten “Antrag zur neutralen Bürgerinformation bei der Kreisfusionsdebatte”? Dazu hätte ich gern mehr gewusst. Und auch gern etwas mehr zu den persönlichen Eindrücken, wie mit dem Antrag umgegangen wurde. Oder war dieser Antrag, eh man sich versah, schon kaltschnäuzig abserviert?

Meine Gedanken dazu lauten:

Ahoi anonyme Internetbenutzer/in,

vielen Dank für Deinen Eintrag auf der Seite.

Das Wort „kaltschnäuzig“ benutze ich nicht. Ich habe einmal in meinen Totholzduden geschaut, was da steht. Im Herkunftswörterbuch ergibt es eine Fehlanzeige und im Synonymduden wird auf die Worte „abgestumpft, abweisend, barbarisch, barsch, brüsk, brutal, erbarmungslos (usw.)“ verwiesen.

Die Landkreise Northeim, Göttingen, Osterode/Harz

Landkreise Northeim, Göttingen, Osterode/Harz Quelle:wikipedia.org

Bei formaler Betrachtung kann auf eine Entscheidung nach der Mehrheitsregel eine solche Zuschreibung nicht sinnvollerweise angewandt werden. Eine formale Betrachtung ist bei dem Thema Kreisfusion schwer möglich. Daher irrt auch der SPD-Jurist im Kreistag, wenn er in seinem Redebeitrag davon spricht, der Landkreis bestehe aus den Organen Kreistag, dem Kreisausschuss und dem Landrat. Richtig ist, dass der Landkreis aus den Menschen besteht, die sich darin aufhalten. Ich gehe noch weiter. Auch diejenigen, die sich einmal im Landkreis Göttingen wohl gefühlt haben und die Geschehnisse aus der Ferne verfolgen, dürfen ein Intereresse an der Debatte über die Kreisfusion haben. In der Sprache der SPD heißt diese Gruppe „stakeholder“ (Beschlussbuch 2011, 257).

Auch im Prozess des Bürgerdialoges im Zusammenhang mit der Entschuldungshilfe im Stadtrat haben sich die Piraten dafür eingesetzt, Beiträge aus dem Internet ohne Registrierungspflicht zuzulassen. Registrierungspflichten sind ein überflüssige Hemmnisse und führen dazu, dass nicht alle Interessierte ihre Stellungnahme hinterlassen. Insofern finde ich den Antrag aus dieser Perspektive nicht einmal weit gehend genug. Trotzdem hätte die Annahme des Antrages bessere Ergebnisse und Beteiligungsmöglichkeiten gebracht, als das jetzt bei der Seite kreisfusionen.de der Fall ist.

So zeigt die Social-Media-Einbindung (Facebook 15.12.2012, 12:20) auf der Startseite 8 Avatare, von denen mir über die Hälfte als Mitglieder der SPD aus dem Kreis Göttingen bekannt sind. Ich hatte übrigens auf der Sitzung des Unterausschusses zur Kreisfusion den Maßnahmeträger auf Datenschutzprobleme bei der Social Media Nutzung hingewiesen. Als Antwort erntete ich ein unverständnisvolles „Es geht doch um Werbung“. Nee, is klar.

In der jetzigen Form wird damit die Gewichtung der Inhalte auf der Startseite der ansonsten einfallslos gestalteten Seite der Firma Facebook überlassen. May the source be with you.

Es war noch genug Zeit, um die aus dem Antrag resultierenden Anregungen umzusetzen. Ich kann es nicht verstehen, warum man den Initiatorinnen oder Initiatoren des Antrages nicht etwas entgegen kam. Damit beantworte ich Deine (sicher tendenziös) gestellte Frage nach langer Begründung mit einem klaren „JA“.