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Weender Freibad bald ohne Sprungturm? – Protokoll der Sitzung des Sportausschusses vom 14. März


Ort: „Sparkassen-Arena“, Schützenplatz 1, 37081 Göttingen
Zeit: Dienstag, 12.3.2013; 16:15 (16.27) Uhr
Anwesend: Mitglieder des Sportausschusses, Oberbürgermeister Meyer, über 120 Gäste

 

TOP 1 bis TOP 3

Formalia und Mitteilungen der Verwaltung

wurden recht zügig angehandelt.

 

TOP 4

Freibad Weende / Entwicklungskonzept / Beschluss

Oberbürgermeister Meyer brachte die Vorlage der Verwaltung ein. Er fasste die Diskussion um die Zukunft des Weender Freibades zusammen, die mit dem Zukunftsvertrag und dem Vorschlag der Verwaltung, das Bad zu schließen, begann. Es kam sehr rasch zu regem Widerstand unter den Weender Bürgern und schließlich zu einem Kompromiss. Laut Beschluss des Rates sollte schließlich in einem transparenten Verfahren ein verkleinertes, modernisiertes Konzept erarbeitet werden, das auch vom bürgerschaftlichen Engagement getragen wird.

Anschließend referierte Herr Frey (GoeSF) den aktuellen Stand des Konzepts und dessen Entstehung. Ausgehend von den Vorgaben (Schwimmen & Baden erhalten, Minimierung der Investitions- und laufenden Kosten, Zitat: „Bäderbetrieb ist immer auf Zuschuss angewiesen, Gewinn macht damit niemand.“) habe die Verwaltung ein Konzept erarbeitet, das eine Halbierung der Wasserfläche auf 1.000 m² in einem „erlebnisorientierten Gelände“ vorsah. Der Betrieb sei mit kostengünstigen DLRG-Kräften statt Bademeistern möglich. Ein Teil der Fläche hätte verkauft werden können/müssen. Bedingung dabei war Eigenleistung der Bevölkerung.

Der Förderverein habe anschließend seine Wünsche geäußert. Danach sei ein Kompromiss erarbeitet worden:

  • anstatt wie geplant nur 25m solle das neue Bad nun doch 33,33m Bahnlänge haben
  • die Wasserfläche doch fast 1200 m² betragen
  • anstatt nur 1,35m nun 1,80m Wassertiefe haben.

Außerdem ist ein Strömungskanal und ein Sandstrand als Teil des Erlebnisbades mit natürlich (durch die Sonne) beheiztem Wasser vorgesehen.

Insgesamt liefen die Wünsche des Fördervereins auf Investitionskosten von rund 2,5 Mio. Euro hinaus und wegen der benötigten intensiveren Aufsicht und höheren Betriebskosten auch auf insgesamt höhere Folgekosten. Die Vorstellungen des Fördervereins seien damit zu teuer.

Im weiteren Verlauf der Diskussion stellte sich der von Herrn Frey ebenfalls erwähnte Sprungturm als zentraler Konfliktpunkt heraus.

Im Anschluss stellte Herr Hirt die Kostenkalkulationen vor. Kosten beider Varianten (Vorschlag der Verwaltung und Vorschlag des Fördervereine) bei verkürzten Öffnungszeiten; Grundlage sind in beiden Fällen 64.000 Besucher

  • Freibad (Förderverein): 2,2-2,5 Mio. Euro Investitionen; 69.000 Euro Personal pro Jahr; 42.500 Euro Betriebskosten pro Jahr; braucht Zaun; Sprungturm verbraucht viel Wasserfläche.
  •  Badestelle (Verwaltung): 1,8 Mio. Euro Investitionen; 59.000 Euro Personalkosten; 34.500 Euro Betriebskosten pro Jahr; es reicht mobiler Zaun (Bürgerzwischenruf: Was ist mit den warmen Duschen? – Konzept der Verwaltung enthält keine warmen Duschen.)

(Ratsherr Günzler (Vorsitzender Sportausschuss, CDU) sah sich wegen Unruhe verärgerter Bürger veranlasst, darauf hinzuweisen, dass dies keine Bürgerversammlung, sondern eine Sitzung des Sportausschusses sei.)

Es folgten einige Nachfragen von Ausschussmitgliedern zu verschiedenen Aspekte des Verwaltungskonzepts, so zu

  • der mobilen Umzäunung
  • welchen Sinn Massagedüsen mit kaltem Wasser hätten?
  • ob die recht hohen kalkulierten Besucherzahlen realistisch seien, insbesondere bei den verkürzten Öffnungszeiten und den doch recht unterschiedlichen Konzepten?

(Antwort zu Besucherzahlen: Vorbild sei Groner Freibad, dort seien Zahlen durch „nicht-klassische Freibadgänger“ gestiegen.)

Ratsherr Günzler eröffnete etwas später die Bürgerfragestunde und erteilte Herrn Gramsch vom Förderverein als erstes das Wort: Der Förderverein will Rahmenbedingungen des EHP und des Ratsbeschlusses einhalten. Es sei nötig, eine Kompromisslinie finden. Doch seien wichtige Unterlagen viel zu spät an den Förderverein weitergereicht worden, obwohl diese zeitig, teilweise Monate zuvor erstellt worden waren. Einge heute gehörte Fakten seien ihm noch unbekannt gewesen. Es hätte den versprochenen „engen Dialog“ mit der Stadt bisher nicht gegeben. Im jetzigen Konzept fehlten vor allem der Sprungturm und warme Duschen. „Ich bitte Sie, heute noch keinen endgültigen Beschluss zu fassen, sondern zu vertagen und Zeit für weitere Gespräche zu lassen.“

Anschließen sprachen eine Reihe Weender Bürger vor, u.a. der ehemalige Oberbürgermeister Kallmann. Ein Redner (Herr Arnold) betonte, es sei eine „rein politische Frage“, ob man die Mehrkosten von 30.000 Euro pro Jahr in Kauf näme, um echte Akzeptanz der Bevölkerung zu erreichen. Insbesondere der Sprungturm sei für viele Jugendliche der Anreiz, schwimmen zu lernen, „weil man schwimmen lernen muss, um aus dem tiefen Bereich wieder herauszukommen“. Eine weitere Rednerin pflichtete bei: „Nur wenn der Sprungturm bleibt, geh auch die Jugend ins Bad.“ Auch die Warmwasserduschen seien grade für Kinder unerlässlich. Sie sei dankbar für das im Vergleich zur Anfangs geplanten totalen Schließung bisher erreichte, aber man brauche noch mehr Zeit, um Ideen einzubauen und neue Investoren einzubinden.

Eine vorsichtigere Position nahm Herr Kallmann (ehem. OB Göttingen) ein: Weende hätte als eigenständige Gemeinde das Freibad in jetziger Form nicht erhalten können. Die Mitglieder des Förderverein sind alles Schwimmer, Nichtschwimmer, die das Areal nutzen wollen, seien nicht anwesend. Der Sprungturm verbrauche zu viel Wasserfläche, das Konzept der Stadt sei für Bürger attraktiv.

Gegen Ende der Bürgerrunde erklärte ein Redner, es sei unrealistisch, wie in der vorliegenden Planung anzunehmen, dass die Besucherzahlen unabhängig vom Konzept seien. Ebenso seien die vom Förderverein leistbaren Arbeitsstunden vom Konzept und damit der Motivation der Bürger abhängig.

In einem abschließenden Beitrag wurde die Möglichkeit erwähnt, das Bad in private Trägerschaft zu übernehmen, dafür brauche man aber Investoren und folglich mehr Zeit.

Im Anschluss reagierte die Politik auf das Gesagte, zunächst Oberbürgermeister Meyer, der noch einmal für das Konzept der Verwaltung warb. Im Anschluss sprach Ratsherr Häntsch (CDU) (?) und warb für den Antrag der CDU/FDP-Gruppe auf Vertagung: „Der Oberbürgermeister möge noch einmal das Gespräch suchen.“

In Vertretung von Ratsherr Holefleisch sprach Ratsherr Becker für die GRÜNEN: Man werde dem Vorschlag der Verwaltung zustimmen, weil der „Juckepunkt“ Sprungturm auch durch weitere Gespräche nicht zu klären sei. Der Sprungturm sei fraglos Magnet für Jugendliche, aber wegen steigender Betriebskosten nicht zu halten. Für eine Fraktion, die dem EHP zugestimmt hat, sei es schwer, dem jetzigen Plan der Verwaltung zuzustimmen: Es sollte gespart werden und dafür das Weender Freibad geschlossen werden. Nun gäben es, optimistisch geschätzt, 90.000 Euro Kosten pro Jahr für die Stadt – doppelt so hohe, wenn man die Besucherzahlen 2009 zugrunde lege. Die Ausgaben müssten auch außerhalb Weendes begründet werden, wo Bürger vom EHP betroffen seien, aber kein Entgegenkommen erführen. Das Freizeitverhalten der Menschen ändere sich, das Freibad Weende stamme aus den 50er Jahren.

Ratsherr Günzler (CDU) erklärte: Den Sportlern wurde weit entgegengekommen. Man sei kurz vor der Ziellinie, Informationen (Zahlen) lagen nicht alle rechtzeitig vor, deshalb sollte noch einmal vertagt und weitere Gespräche geführt werden, um eine Konfrontation mit Siegern und Verlierern zu vermieden. Weitere Gespräche seien auch sinnvoll (in direkter Entgegnung zu Ratsherr Becker).

Abschließend kamen noch einmal Bürger zu Wort.
Herr Schwieger: Sie möchten eine Entscheidung über Betriebskosten treffen, die einen Betriebskostenzuschuss des Fördervereins voraussetzt. Der Verein ist im Moment aber nicht im Boot. Wir müssen etwas schaffen, dass eine Generation hält und nicht nur 10-15 Jahre und dann Schrott ist wie die Stadthalle.
Es drohe jene Situation, die man am Anfang gehabt habe, aber unbedingt hätte vermeiden wollen: Die direkte Konfronatation.

 

Abstimmung

1.) Antrag der CDU/FDP-Gruppe auf Vertagung und weitere Gespräche:
3 Stimmen (CDU, LINKE) dafür, 4 dagegen (SPD, GRÜNE) daher abgelehnt

2) Beschlussvorschlag der Verwaltung

4 Stimmen dafür (SPD, GRÜNE) 3 dagegen (CDU, GRÜNE) daher angenommen

 

Nach einer kurzen Pause, in der enttäuschte Groner Bürgerinnen und Bürger den Raum verließen, wurde die Sitzung fortgesetzt.

 

TOP 5

Feriensport 2013

Es gab einen kurzen Bericht mit anschließenden Nachfragen über den Stand der Vorbereitung der Feriensportkurse 2013. Sprachreisen in Partnerstädte sind zu teuer geworden und werden von anderen Institutionen (Sparkasse, Stadtsportbund) angeboten. Die Stadt konzentriert sich auf tendenziell regionale Feriensportangebote mit einem Fokus auf bezahlbare Freizeitangebote für alle.

 

Top 6

Anfragen des Ausschusses

lagen nicht vor

 

Ende der Sitzung: ca. 18.45 Uhr

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