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Themenabend Luftschadstoffmessung Montag 12.11.2018

Themenabend zum Thema Luftreinhaltung und Schadstoffmessung, Montag 12.11.2018 um 20:15 Uhr im Café Inti. Eingeladen ist Werner Schulze von der Umweltgewerkschaft.

Werner Schulze erläutert zunächst, wie Luftschadstoffe in Göttingen gemessen werden. Es stimmt mit dem überein, was die Stadt am 16.10.2018 beim Thema EAM-Gebäude intern an die Mitglieder des Bauausschusses in einer word-Datei kommunizierte. Nach Werners kurzer Einführung in die Thematik werden verschiedene Aspekte von den Anwesenden diskutiert.

Im Rahmen des Lufthygienischen Überwachungssystems Niedersachsen (LÜN) werden im Stadtgebiet von Göttingen 2 Messstationen betrieben. Der Betrieb erfolgt durch das staatliche Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt und Klimaschutz.

In der Bürgerstraße befindet sich die Messstation zur Ermittlung der verkehrlichen Anteile an der Luftschadstoffbelastung. In der Nohlstraße wird die Grundbelastung ermittelt (Hintergrundstation).

Die Zahl der Messstationen in Niedersachsen ist sehr gering.

Es wird ein Schadstoffprofil ermittelt, welches auf empirisch ermittelten Daten beruht. Wesentliche Bestandteile dieser Datenerhebungen sind Befragungen. Firmen und Haushalte werden zu ihren Emmissionsdaten befragt. Verkehrsteilnehmer werden befragt, welche Autos sie haben und wohin sie täglich fahren. Daraus wird errechnet, wieviele Autos welche Strecken möglicherweise fahren. Das Ergebnis wird mit Daten aus Verkehrszählungen abgeglichen.
Daraus wird ein Profil errechnet, welches starr bleibt und über Jahre nicht aktualisiert wird.
Dieses Modell liefert zu jedem Punkt Göttingens einen Wert. Die Genauigkeit der Werte reicht aber nicht aus, um Straßenzüge zu unterscheiden. Sehr viele Parameter wie saisonale Unterschiede und unterschiedliche Windrichtungen werden nicht berücksichtigt.
Ein weiterer Kritikpunkt liegt darin, dass in erster Linie Verkehrsdaten in die Berechnungen eingehen. Luftverschmutzungen aufgrund von Holzverbrennungen in Kaminöfen werden vernachlässigt. Allerdings werden auch Schornsteinfeger befragt, deren Daten eingespeist werden. Doch auch diese Daten scheinen jahrelang nicht aktualisiert zu werden.

Voraussetzung für das Funktionieren des Modells ist, dass alle Emmittenten die Daten richtig messen und korrekt mitteilen. Das, was an Daten angegeben wird, wird nicht kontrolliert.
Es fällt auf, dass an keiner Stelle des Modells eine Fehlertoleranz genannt wird. Für eine Studie mit Anspruch auf Seriösität ist das sehr ungewöhnlich.

Einigkeit besteht im Raum, dass die Modellrechnung nicht ausreichend seriös und verlässlich wirkt. Insbesondere die mangelnde Aktualität und die problematische Kalibrierung werden als Kritikpunkt hervorgehoben. Werner betont aber auch, dass es ebenfalls sein könne, dass die tatsächlichen Werte der Luftbelastung niedriger seien als im Modell berechnet. Die Methode sei sicherlich extrem unzuverlässig und halte einer kritischen Prüfung nicht stand, aber die wirklichen Daten könnten sowohl eine stärkere als auch eine schwächere Belastung beinhalten.

Der Vorschlag wird gemacht, etwa 10-50 Messgeräte aufzustellen, um ein räumliches Profil zu erstellen, ähnlich einer Wetterkarte. Frage, in welchem Rahmen das organisiert werden könnte.

Eine Arbeitsgruppe der Uni unter der Leitung von Isabelle Matthias hat kürzlich an 75 Stellen Feinstaubwerte gemessen. Diese wurden an der Wetterstation kalibriert. Die Ergebnisse werden am kommenden Donnerstag vorgestellt (Wilhelmplatz 3).

Der NDR hat eine Aktion „Was atmest du?“ gestartet, wo mit einer einfachen Methode an über 1000 Stellen in Niedersachsen der Stickoxid-Gehalt in der Luft 4 Wochen lang gemessen werden soll.

Die Umweltgewerkschaft hat vor, einen Sensor zu kaufen, um diesen zu Demonstrationszwecken zu nutzen, oder als Initialinvestition.

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