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Stellungnahme des Vorstands zu #Dingen

Am 13. Februar jährte sich der alliierte Bombenangriff auf Dresden zum 69sten Mal.
In diesem Zusammenhang traten zwei vorgebliche [1] Femen-Aktivistinnen in Erscheinung, eine davon mit dem Spruch “Thanks Bomber Harris” auf dem nackten Oberkörper. Verschiedene Medien berichten, daß es sich bei dieser Aktivistin um eine Piraten-Abgeordnete aus Berlin handelt.

Der Vorstand der Piratenpartei Göttingen hält es für äußerst pietätlos, mit nackten Brüsten an einem Ort zu demonstrieren, an dem zwischen 20- und 25-tausend Menschen, weit überwiegend Zivilisten, ihr Leben verloren. Wer auf diese Weise zigtausende zivile Opfer der Bombenangriffe verächtlich macht, ist in unserer Partei falsch.

Selbstverständlich sind wir froh über die Befreiung Deutschlands und Europas vom Nationalsozialismus, aber aus dem Töten von Menschen darf kein Medienspektakel gemacht werden. Aus diesem Grund verurteilen wir die Aktion, egal von wem sie durchgeführt wurde.

Leider war dies nicht der einzige Vorfall der letzten Tage, der uns wütend und traurig macht: In Berlin hatte bereits einige Tage zuvor ein Parteimitglied der Piratenpartei einen brennenden Gegenstand auf die russische Botschaft geworfen. Und im Anschluss an die Aktion in Dresden feierte ein prominentes Partei- und ehemaliges Bundesvorstandsmitglied über Twitter ebenfalls – zum wiederholten Mal – „Bomber Harris“ mit Tweets, die bei uns nur Ekel auslösen.

Diesen Personen und Gleichgesinnten möchten wir sagen: Ihr seid in der falschen Partei! Die Piratenpartei vereint Menschen, die „beim Aufbau und Ausbau eines demokratischen Rechtsstaates und einer modernen freiheitlichen Gesellschaftsordnung geprägt vom Geiste sozialer Gerechtigkeit mitwirken wollen“ (Satzung §1). Piraten sind tolerant, fair und friedlich (Kodex).

Was auch immer ihr wollt: Es ist offensichtlich etwas anderes.

Alle Mitglieder, die aufgrund der Aktion in Dresden oder der anderen Ereignisse über einen Austritt aus der Piratenpartei nachdenken, rufen wir auf zu bleiben und gemeinsam mit uns in der Piratenpartei für unsere Ideale Freiheit, Transparenz und Teilhabe einzutreten.

[1] Femen Deutschland hat sich inzwischen distanziert.

Wir danken den Piraten Tübingen für ihren Text, den wir hier „verwurstet“ haben.

9 Kommentare zu “Stellungnahme des Vorstands zu #Dingen

  1. Endlich nimmt der KV Vorstand der Piratenpartei in Göttingen Stellung zu den Verwirrungen einer Oben-Ohne-Tänzerin in Dresden.

  2. Jetzt müsst ihr es nur noch hinbekommen, die betroffenen „Damen“ auch beim Namen zu nennen.

  3. können sie mir noch etwas genauer erklären warum es pietätlos sein soll an so einem ort mit nackten brüsten zu demonstrieren? inwiefern macht man durch das zeigen von brüsten naziopfer verächtlich?

    • Es geht um Opfer, zivile Opfer und nicht nur um „Naziopfer“. Was pietätlos heisst, kann man auch im Duden nachschlagen. Der Bildungsauftrag obliegt den Schulen, nicht dem KV Göttingen. Danke für die gute Stellungnahme.

  4. Ich spreche nur für mich:
    Falls Sie den Text gelesen haben, sollte er sich selbst erklären: Weil die Aktion darauf abzielt, per Provokation ein Medienspektakel zu produzieren. Dies beleidigt die Toten ebenso wie die oftmals bis heute traumatisierten Überlebenden. Gerade Jahrestage wie die des Angriffs sollten im Zeichen der Trauer und der Versöhnung stehen. (Letzteres schließt die widerlichen Faschoaufmärsche selbstredend aus. Aber auch jede andere politische Instrumentalisierung.) Trauer über die Opfer des Faschismus, der für den Holocaust und zweiten Weltkrieg verantwortlich ist und uns gegenüber den Alliierten zum Dank für die Befreiung verpflichtet. Trauer aber auch über die Opfer sinnloser Kriegsverbrechen.
    Harris stimmte die zeitliche Abfolge der Angriffswellen übrigens bewusst so ab, dass möglichst auch Feuerwehr und Personen „erwischt“ wurden, die den Opfern der vorigen Angriffswelle zur Hilfe kommen wollten.
    Weitere Fragen erübrigen sich da wohl.

  5. Schade, dass es erst soweit kommen musste. Das Statement oben ist gut, keine Frage, alleine glaubt euch kaum noch wer, dass es tatsächlich Konsequenzen geben wird. Imho wurdet ihr gekapert :(

  6. Silvia Rudolf

    Vielen Dank Frau Rudolf für diesen wichtigen und guten Kommentar, aber warum werden die betroffenen Personen (wir wissen ja alle um die Clique in Berlin, die völlig beratungsresistent ist) nicht aus der Partei ausgeschlossen, was doch eigentlich bei Frau Reichstein schon nach dem 1. Vorfall geschehen hätte müssen?

    • Hallo Frau Rudolf,

      Parteiausschlussverfahren sind (soweit ich weiß) eingeleitet. So etwas dauert allerdings immer sehr lange (Juristenkram halt). Mir persönlich sind politische Reaktionen (also etwa Distanzierungen) daher auch wesentlich wichtiger als „Ordnungsmaßnahmen“. Solche politischen Reaktionen sind von sehr vielen Landesverbänden und KVs auch gekommen – leider nicht von den zuständigen Berliner Piraten. (siehe den im nächsten Kommentar reinkopierten Text der Berliner). Dies bedauere ich sehr.

  7. Der Piratenpartei Landesvorstand Berlin nimmt zu aktuellen Ereignissen wie folgt Stellung:

    “Wir, der Landesvorstand der Piratenpartei Berlin, stellen uns mit aller Solidarität und Geschlossenheit hinter unsere Mandatsträgerin Anne Helm. Die aktuellen Drohungen und Diffamierungen, denen sie ausgesetzt ist, gehen weit über das gerade in unserer Partei sowieso schon unmögliche Umgehen mit Gerüchten und Anschuldigungen hinaus. Die Mutmaßungen zu ihrer Beteiligung am #bombergate haben sie zur Zielscheibe von Rechtspopulisten und Nazis werden lassen.

    Rufe nach Ordnungsmaßnahmen oder sogar Anzeigen gegen Anne sind hier vollkommen unangebracht.

    Mit Verwunderung nehmen wir somit zur Kenntnis, dass die Meldung einer (!) kleinen Boulevardzeitung Berlins zum Anlass genommen wird, dass sich diverse absolut unbeteiligte Landesverbände von einer nicht originär mit der Piratenpartei assoziierten Aktion distanzieren. Dass dabei teilweise geschichtsrevisionistische Texte formuliert werden, anstelle den Landes- bzw. Kreisverband, der einzig direkt von dieser Aktion betroffen ist, nämlich Sachsen bzw. Dresden, um Rat zu bitten, um sich von diesen die Aktion in einen Kontext setzen zu lassen, finden wir mehr als befremdlich.
    Die Informationen, die das Boulevardblatt als Anstoß genommen hat, Annes nackten Oberkörper (*) mehrere Tage in Folge großformatig abzudrucken, stammen von einem “Kollegen” aus der CDU-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln. Die Absichten dieses Menschen sollten uns allen mehr als klar sein, da Anne mit großem Engagement und wenig Scheu die Ziele der Piratenpartei in der BVV vertritt.

    Seit Beginn der Legislatur ist Anne Helm persönlichen Angriffen von der CDU Neukölln ausgesetzt. Nun hat die CDU Neukölln eine Hetzjagd durch Neo-Nazis angezettelt, der Anne Helm seit Tagen ausgesetzt ist und scheut sich auch nicht auf bekannte Neonazis zu referenzieren. Mit diesem Vorgehen ist selbst für die Berliner CDU ein neuer Tiefpunkt erreicht. Diese Aktion ist nichts anderes als der Versuch Anne mundtot zu machen, um eine couragierte Vertreterin der Menschen in Neukölln weniger als politische Gegnerin zu haben.

    Wir fordern die CDU Neukölln auf, ihre Hetzaktivitäten umgehend einzustellen und sich öffentlich zu entschuldigen. Außerdem müssen die dafür Verantwortlichen die politischen Konsequenzen aus ihren Handlungen ziehen.

    http://berlin.piratenpartei.de/2014/02/23/stellungnahme-des-landesvorstands-zu-aktuellen-ereignissen/

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