In der kommenden Woche (19. bis 23. Oktober) findet die internationale Open-Access-Week statt, in deren Rahmen auch Informationsveranstaltungen in Göttingen geplant sind. Voraussichtlich am Dienstag wird es einen Infostand direkt vor der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SUB Göttingen) geben (bei extrem schlechtem Wetter wird dieser evtl. verschoben). Alle Studenten sind eingeladen, dort vorbei zu schauen.

Was heißt open access ?

Der Begriff open access (freier Zugang) bezieht sich in erster Linie auf die Art, wie Wissenschaftler ihre Daten veröffentlichen. Der größte Teil der Forschung und besonders der Grundlagenforschung wird durch öffentliche Mittel finanziert. Allein in Deutschland werden dafür jedes Jahr viele Milliarden Euro investiert. Das neu gewonnene Wissen wird meist in Fachzeitschriften publiziert, damit es von allen Wissenschaftlern genutzt werden kann.

Klassischerweise wurden diese Fachzeitschriften von kommerziellen Verlagen herausgegeben und gedruckt. Für ihre Artikel bekamen die Institute im Allgemeinen kein Geld, obwohl sie alle Rechte an den Verlag abtraten. Die Abonnements der Zeitschriften verursachen jedoch erhebliche Kosten. Da die Auflagen oft sehr klein waren, konnte ein einziges Heft mehrere hundert Euro kosten. Die Zeitschriften wurde in Bibliotheken archiviert was weitere Kosten verursachte. Das teure System der verlagsbasierten Publikation war jedoch sinnvoll, weil es garantierte, dass neu gewonnenes Wissen schnell und effektiv weltweit verfügbar gemacht wurde.

Durch die Verbreitung des Internets wurde das Drucken und Archivieren der Zeitschriften überflüssig. Artikel können nun einfach als PDF-Dokumente heruntergeladen werden. Viele Verlage hielten jedoch an dem alten Geschäftsmodell fest, sperrten den Zugang zu den elektronischen Artikeln und verlangten hohe Lizenzkosten. Da von der Wissenschaft jedes Jahr mehr Daten produziert und mehr Artikel veröffentlicht wurden, stiegen die Kosten der Bibliotheken trotz der enormen Produktivitätssteigerung stetig an. Aufgrund des Kostendrucks waren in den 90er Jahren viele Bibliotheken gezwungen die Zahl ihrer Abonnements zu reduzieren. Die wenigen großen Verlage reagierten darauf mit massiven Preissteigerungen was die Situation weiter verschärfte und zur sogenannten Zeitschriftenkriese führte. Obwohl es technisch möglich war, Dokumente quasi kostenfrei und innerhalb von Sekunden weltweit verfügbar zu machen, zahlten die Steuerzahler nach wie vor Milliarden für den Service der Verlage.

Im November 2001 verabschiedeten verschiedene bekannte Wissenschaftler die Budapester Open Access Initiative in der es heißt, dass im Internet all jene Literatur frei zugänglich sein sollte, die Wissenschaftler ohne direkte Bezahlung veröffentlichen. Da die Verlage dazu jedoch nicht gezwungen werden können, sind alle Wissenschaftler aufgerufen, in solchen Zeitschriften zu veröffentlichen, die nach dem Open Access Prinzip arbeiten. Die vergleichsweise geringen Kosten, die für die Begutachtung und Korrektur der Artikel anfallen, werden von den öffentlichen Geldgebern übernommen.

Die meisten Wissenschaftler sind bestrebt, in möglichst renommierten Fachzeitschriften zu veröffentlichen, weil sich dies positiv auf das eigene Reputation und die zukünftigen Chancen bei der Mittelvergabe auswirkt. Neue Zeitschriften etablieren sich im Allgemeinen nur relativ langsam im bestehenden Markt. Da sich die etablierten Verlage oft nicht an die Open-Access-Richtlinien halten, viele etablierte Wissenschaftler aber trotzdem bei diesen Verlagen publizieren, wird nach wie vor ein Großteil der Veröffentlichungen auf konventionelle Art publiziert. Der Öffentlichen Hand entstehen so  Kosten in Milliardenhöhe, obwohl es dazu technisch gesehen keine Notwendigkeit mehr gibt. Darüberhinaus wird ein Großteil des Wissens all jenen vorenthalten, die die enormen Lizenskosten nicht aufbringen können.

Noch heute stellen Veröffentlichungen nach dem Open-Access-Prinzip in vielen Fachbereichen eher die Ausnahme dar. Es bedarf mühsamer Öffentlichkeitsarbeit, um etablierte und zukünftige Autoren davon zu überzeugen, dass auch sie als Wissenschaftler vom freien und unkomplizierten Zugang zum gesamten Wissen der Menschheit profitieren würden. Die internationale Open-Access-Week ist ein Schritt zur Schaffung dieses Bewusstseins.

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