Alles Kommunalpolitik Göttingen PiratenPlanet Presseschau

Kooperationsvereinbarung zwischen Göttingen und Nanjing

Kommentar von Erich Wutschke

Die folgende Kooperationsvereinbarung wurde am 05. März 2010 vom Rat der Stadt Göttingen 2010 verabschiedet. Darin werden kooperative Beziehungen vereinbart. Zunächst läßt sich nichts Grundsätzliches gegen eine Vereinbarung dieser Art sagen. Die Verbesserung der Beziehungen zwischen Ländern bzw. das Kennenlernen der Kulturen sollte zu jeder sich bietenden Gelegenheit gefördert werden und auch gelebt werden. Die fünf aufgeführten Punkte decken wesentliche Bereiche der zwischenstaatlichen Beziehungen ab. Soweit scheint sich alles positiv darzustellen, da – wie es in Punkt drei heißt – “sich durch Begegnungen Bürgerinnen und Bürger kennen lernen und sich dadurch Verständnis für die jeweils andere Kultur und Lebensgewohnheiten entwickelt”. Soweit sogut. Aber! Wir kennen auch eine andere Seite Chinas. Die Seite der Verfolgung Andersdenkender, der Vollzug der Todesstrafe, die Tibetpolitik, Internetzensur…… Diese Seite zeigt uns ein Gesicht Chinas, das heute anscheinend nicht gerne gesehen wird. Trotzallem existiert es. Auch wenn heute, dem Punkt vier entsprechend, die wirtschaftlichen Beziehungen gerne im Vordergrund stehen, sollte nicht übersehen werden, daß die chinesische Wirtschaftbeziehungen die aggressive Gesamtpolitik nicht überdecken darf. Da wir auch die andere Seite kennen, jedoch diese Vereinbarung nicht ablehnen, werden wir die tatsächliche Ausgestaltung der Vereinbarung kritisch begleiten. Sollte sich zeigen, daß es es notwendig wird, so werden wir den Finger in die Wunde legen.

“Koperationsvereinbarung

zwischen Göttingen und Nanjing

Göttingen und Nanjing sind als bedeutende Universitätsstädte weltweit bekannt und anerkannt. Eine erfolgreiche, nunmehr 25-jährige Partnerschaft verbindet die beiden Universitäten der Städte. Nunmehr wird angestrebt, diese Partnerschaft auf andere Kooperationsfelder zwischen den Städten auszuweiten.

Beide Städte sind in dem Ziel einig, kooperative Beziehungen auf der Basis von Freundschaft, Gerechtigkeit und Verständigung einzugehen und den Kontakt in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Kultur und Sport zu fördern.

1. Beide Stadtverwaltungen werden offizielle Kontakte aufnehmen, unterhalten und regelmäßige Besuche organisieren. Das Referat des Oberbürgermeisters der Stadt Göttingen einerseits und das Büro für auswärtige Angelegenheiten der Stadt Nanjing werden als offizielle Ansprechpartner die Beziehungen zwischen beiden Städten pflegen.

2. Schulische und die beruflichen Kontakte werden durch den Austausch von Schülerinnen und Schülern sowie durch Berufspraktika gefördert. Weitere Kontakte zwischen Hochschulen sowie Forschungseinrichtungen werden zwecks möglicher Kooperationen von den Kommunen hergestellt und gefördert. Beide Kommunen unterstützen die Universitäten im Rahmen ihrer Möglichkeiten beim Austausch von Studierenden und Fachpersonal.

3. Beiden Städten ist es wichtig, dass sich durch Begegnungen Bürgerinnen und Bürger kennen lernen und sich dadurch Verständnis für die jeweils andere Kultur und Lebensgewohnheiten entwickelt. Die Tourismusbehörden beider Städte arbeiten in diesem Sinne eng zusammen.

4. Beide Stadtverwaltungen werden die Kooperation auf dem Gebiet der Wirtschaftsförderung unterstützen. Die Zusammenarbeit einschließlich Investitionskooperation sowie Handelskooperation zwischen mittelständischen und kleineren Unternehmen bilden hierbei die Schwerpunkte.

5. Beide Städte werden Kooperationsmöglichkeiten auch in den Bereichen Sport und Kultur erarbeiten.

Diese Vereinbarung wird sowohl in deutscher als auch in chinesischer Sprache fertig gestellt und am ………. in Göttingen unterzeichnet. Beide Fassungen gelten gleichermaßen ab dem Zeitpunkt der Unterzeichnung.

Göttingen, ………………

Der Oberbürgermeister      Der Oberbürgermeister

der Stadt Göttingen              der Stadt Nanjing”

2 Kommentare zu “Kooperationsvereinbarung zwischen Göttingen und Nanjing

  1. Pingback: Göttingen - Blog - 06 Mar 2010

  2. Moin,

    ich halte die Kooperationsvereinbarung für keine gute Idee.

    Wenn die Stadtverwaltungen Besuche organisieren, ist dies zunächst einmal sehr teuer für das Stadtsäckel und ich bin der Meinung, dass es sinnvollere Aufgaben gibt, um Geld auszugeben. Ich halte es sogar für besser, dies Geld einzusparen und weniger Kassenkredite aufzunehmen.

    Es ist sinnvoll, dass es Austausch gibt. Wenn es diesen Wunsch gibt, sollte dies ausschließlich zivilgesellschaftlich organisiert werden. Vielleicht sind die Ratsmitglieder bereit, für einen Verein zu spenden, der diese Aktivitäten fördert. Die Kommune ist meiner Meinung nach gut beraten, sich um Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft zu kümmern und nicht dem Versuch erlegen sein, eine kleine Außenpolitik zu betreiben.

    Weiterhin passen die Städte nicht zusammen. Nanjing ist die „Hauptstadt im Süden“. Dort wohnen über drei Millionen Menschen, in der Region fast 6 Millionen Einwohner. Die Probleme der Städte und die Stellung der Städte innerhalb ihrer Länder sind völlig verschieden. Ich hielte es für sinnvoller, wenn überhaupt, dass sich Städte verbinden, die ähnlich strukturiert sind.

    Damit steht für mich fest: Auch, wenn die politische Situation in China außen vor bleibt, ist die Vereinbarung eine schlechte Idee ohne messbaren Nutzen für die Mehrheit der Stadtbewohnerinnen und -bewohner.

    Der Stadtrat gehört abgewählt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.