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Internetzeitalter aus Piratensicht (I)

In den letzten Wochen und Monaten wird mehr und mehr der Eindruck bestätigt, dass nach der Drohung der Bändigung des Internets jetzt die Umsetzung folgt.

Bevor der Heimanwender Zugang zum www und anderen Diensten des Internets bekommt sind vorher andere Instanzen involviert:

  • überstaatliche Gremien zur Kontrolle und Entwicklung des Internets: z.B. ICANN
  • Politische Entscheidungen beeinflussen die Datensicherheit und Informationsfreiheit: z.B. SWIFT, HADOPI
  • Software-Unternehmen
  • Geräte-Hersteller
  • der Computernutzer höchstselbst

Kunde

Im Regelfall verbindet sich der Nutzer mit Laptop/Desktop-Computer über einen DSL-Router mit den voreingestellten Verbindungsdaten des Internetanbieters zum Internet. Seiten wie wie istmeineip.de erzählen dem geneigten Surfer dann, manchmal zu dessen Erstaunen, mit welchem Betriebssystem, aus welchem Provider-Netz mit welchem Browser der Seitenabruf geschehen ist.

Im Internet werden zahlreiche Daten zwischen dem Gerät und dem Internet (upload) und dem Internet und dem Computer (download) ausgetauscht. Dabei ist der Nutzer in der Lage gewollt und ungewollt viel über sich Preis zu geben. Das Surf- und Kaufverhalten (Cookies und Amazons Wunschliste) wird ebenso aufmerksam verfolgt wie verarbeitet und verknüpft. Ein einfaches Resultat davon sieht der aufmerksame Nutzer im Inhalt der eingeblendeten Werbebanner.

Davor kann sich aber der Nutzer noch mit den geeigenten Maßnahmen ein wenig schützen.

 

Geräte und Software

Wogegen er sich jedoch nicht leicht zur Wehr setzen kann ist, dass er/sie durch den Bau seines Endgerätes von Anwendungen abgeschnitten wird. So suchen etliche Anwender der Apple-Gemeinschaft Anschluss an die Adobe Flash-Welt (Videos, Browsergames, Seiteninhalte) und andere werden zur Arbeit mit dem Browser genötigt, weil schon nichts anderes mehr auf dem Gerät installiert ist. Gemeint ist das scherzhaft so genannte Googlebook pro.

Manche Dienste werden von den Internetprovidern auf Smartphones vorsichtshalber verboten oder deaktiviert. Begrenzungen bei Skype oder besser VOIP-Anwendungen und „tethering“ sind vielen Vodafone- und Telekom-Kunden in Erinnerung geblieben.

Die Hoheit über das eigene Handy schien in der Vergangenheit sicher, wurde aber von verschiedenster Seite zurückerobert. Das kommt einer Degradierung des Käufers gleich. Dem ist es nicht gestattet zu tief ins Innere seines Geräts zu blicken, weil er damit die Gewährleistung verlieren kann, weil er dann unabsichtlich beim Lösen von Sichtschutzvorrichtungen etwas zerstören kann (Öffnen Sie auch mal die Motorhaube eines modernen Autos und wechseln Sie Batterie und Keilriemen), weil er Betriebsgeheimnisse auskundschaften kann.

Zahlen darf der Kunde aber gerne noch die GEZ, wenigstens aufgrund des Zugriffs auf Radiostationen, meistens jedoch weil das Gerät mit dem Internet kommunizieren kann. Ungünstige und schlecht durchschaubare Tarife werden auch allüberall zum subventionierten Handy oder Laptop angeboten.

Nicht jede Software darf auf jeder Hardware laufen. Apple behält beides in einer Hand und auch ein Umsatteln auf ein anderes Betriebssystem gestaltet sich mancherorts schwierig.

Software-Unternehmen zeigen sich ebenfalls interessiert an der Mitgestaltung der Erlebniswirklichkeit für den Endnutzer. Sie bereiten das Endgerät auf Programmebene für das Nutzungsverhalten der Surfer vor. Sie öffnet dadurch Sicherheitslücken und schadet manchmal durch unkontrollierte Datenweitergabe.

Herr über seine Anwendungen war der Nutzer früher im mobilen Bereich eigentlich kaum. Mit den besser angepassten freien Distributionen von alternativen Betriebssystemen ist die Barriere für Laptop- und Computernutzer kleiner geworden.

Das Design von Software färbt auf den Nutzer ab. Es trimmt ihn auf eine bestimmte Arbeitsweise und schlägt unwillkürlich einen gewissen Gebrauch vor. Die Entwicklung der Darstellung von bewegten Bildern und Ton im Internet hat den Gebrauch des Mediums stark verändert.

 

Internetanbieter

In Deutschland behält die Deutsche Telekom nach dem Hervorgehen aus der Deutschen Post einen beachtlichen Marktanteil. Sie verwaltet den Großteil der technischen Infrastruktur und baut, oft unter einer politischen Agenda, diese weiter aus.

Der mobile Zugang zum Internet verbreitet sich immer mehr auch in Deutschland. Die Verbreitung von Internet-fähigen Telefonen verstärkt diesen Trend noch.

Auch auf anderer Ebene können Internetanbieter die freie Entscheidung bei der Internetnutzung beeinflussen. Ohne das Menschen es wissen werden sie, wenn es nur nervig genug ist, den Konsum von bandbreitenintensiven Diensten minimieren. Zuletzt war Kritik an der Deutsche Telekom bezüglich Empfangseinschränkung des Portals youtube.com laut geworden.

Den Eindruck verärgerter Telekom-Kunden teilt der Autor dieses Textes. Weder eine Business-Leitung DSL 3000, noch eine private DSL 6000-Anbindung stellen Garanten da, um sich z.B. auf dem genannten Videoportal umzuschauen.

Ein Gedanke liegt da Nahe: Priorisierung. Oder mit anderen Worten: Netzneutralität. Wer sich noch nicht ausreichend informiert fühlt sollte den Suche-Anbieter seines Vertrauens bemühen.

Die Deutsche Telekom verkauft neben den einfachen DSL-Anschlüssen auch DSL 16000 im Paket mit dem Angebot, über einen „Mediareceiver“ IP-TV zu genießen. Ein Schelm wer sich denkt, dass Verknappung am unteren Ende der Leitungskapazität die Kunden entnervt zu einem teureren Produkt treiben soll. Mit dem hauseigenen IP-TV-Angebot zähmt die Telekom (lässt sich auch auf andere Provider übertragen) die eigenen Kunden. Wenn die Bandbreite des Internetanschlusses (der im Grunde auch nicht real dem Kunden gehört!) zum Konsum des IP-TVs dient, dann kosten die übertragenen Daten der Telekom nicht so viel, als wenn Inhalte betrachtet werden die durch fremde Netze geführt werden müssen.

Letzeres wird durch den Begriff „Peering“ im verlinkten Artikel ausgedrückt.

Es ist nicht im Interesse des Internetproviders dem Kunden Zugriff auf die gesamten Früchte des Internets zu geben. Ist die rosa/margenta Firma also Gegner der Internetnutzer? Ein klares „Nein“ kann aus Piratensicht nicht ausgesprochen werden.

 

Politik

Die Internetprovider müssen auch einen weiteren Kampf an der Seite der unbescholtenen Internetaffinen durchzustehen haben. Denn der Gesetzgeber will, teils auf nationaler, aktuell eher auf europäischer Ebene, die Anbieter in die Pflicht nehmen ihre Kunden zu kriminalisieren. Zum einen sollen Vorratsdaten generiert und für die Behörden zugänglich gehalten werden (Vorratsdatenspeicherung) und andererseits sollen die Provider in ein Boot mit Staatsanwaltschaft und Verwertungsgesellschaften gezogen werden. Denn eine deep-paket-inspection soll z.B. die Ausbreitung von aktuellen Kinofilmen bekämpfen…

 

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