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Internet aus Piratensicht (II)

Mit der Fortsetzung zum 1. Teil habe ich, die vergangen Tage geben mir Recht, korrekterweise gewartet.

Denn es gibt weitere Neuigkeiten aus dem Netz der Netze.

Datenschutz und-vVernetzung
Privatsphäre & Datenschutz | CC-BY Tobias M. Eckrich

Die Piraten halten es für rechtens, wenn Internetnutzer es vorziehen, sich unter Pseudonymen oder sogar anonymisiert bewegen. Vor den Bug dieses, von uns so gefühlten, digitalen Grundrechts schiessen einmal wieder Institutionen unter der Flagge der Niedersächsischen Regierung.

Es sei auf die Meldung „Niedersachsen sperrt Anonymisierungsdienste aus“ verwiesen. Einen Auszug will ich denen die nicht warten können jedoch nicht vorenthalten:

Wer unentdeckt auf Webseiten des Landes Niedersachsens surfen oder mit niedersächsischen Behörden anonym kommunizieren will, hat Pech. Der technische Dienstleister für die Internetangebote der Region zwischen Harz und Nordsee, der Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsens (LSKN), sperrt die Nutzer von Services wie Tor aus. […]

Die Administratoren des LSKN sind sich zwar bewusst, dass Diensteanbieter laut Telemediengesetz (TMG) verpflichtet sind, die Nutzung von Online-Medien „anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen“. Einzige gesetzliche Einschränkung ist, dass „dies technisch möglich und zumutbar ist“. […] Laut der LSKN-Sprecherin hat das Land aber „das Recht, sich zu schützen“. Für die Bürger gebe es keinen absoluten Anspruch auf Zugriff auf die landeseigenen Internetangebote. […]

UPDATE: Nach dem Aufsehen was entstanden ist wurde wieder zurück gerudert und die Schritte gegen die Anonymisierung auf den entsprechenden Seiten zurückgenommen. Wie man sehen kann bringt ein Aufschrei etwas. Das ist dann wohl Politik.

Was wollten uns die Damen und Herren vorher damit aber sagen?

Offenbar gibt es einen Generalverdacht, der alle Internetnutzer, die es wagen einen Anonymisierungsdienst zu benutzen, einschließt. Was veranlasst zu dieser Reaktion?

Der Kammer der Spekulationen darf betreten werden. Und dort sehen wir 1. eine Furcht davor, dass die eigene IT-Infrastruktur als Schwäche angesehen wird. Hadmut Danisch hat diese Saite in seinem Blog zum Erklingen gebracht:

Daß aber der „Cyber-War” und unsere Verletzlichkeit tatsächlich nur die Folge von über 20 Jahre politischer und wissenschaftlicher Ignoranz ist, und unser Sicherheitsproblem der in dieser Zeit als Infrastruktur aufgehäufte unsichere Mist, also nicht die bösen Hacker, sondern unser Management und unsere Politik die Täter sind, wird verschwiegen.

2. wird so versucht eine Sicherheitstechnologie weiter zu diskreditieren. In dem Vorgehen dieser Behörde schwingt mit, dass ein typischer Surfer halt nicht anonymisiert ist. Jeder andere ist verdächtig. Dabei sollte doch gefragt werden, ob nicht die Mehrheit der Nutzer in Wirklichkeit mit den (Verhaltens-)Möglichkeiten im Internet nicht umzugehen weiß.

Anonymität wird von Seiten der staatlichen Gewalt oft mit Gefahr und fehlender Strafverfolgbarkeit assoziiert. Dabei hilft das anonyme Recherchieren in diesem Augenblick Hunderten Verfolgten Hilfe zu finden, Unterdrückten die Wahrheit über unterdrücker herauszufinden und Journalisten ihre Arbeit zu tun.

Warum sollte nicht jeder das Recht haben möglichst wenig Spuren beim Online-Banking zu hinterlassen?

Sicherheitstechnologien für das gemeine Fußvolk will auch die deutsche Regierung schwerlich zulassen. So erklären sich die Probleme bei der Entwicklung einer verschlüsselten Email u.a. zur Kommunikation mit Behörden und zu privatwirtschaftlichen Zwecken.

Es soll, den veröffentlichten nach, keine end-zu-end-Verschlüsselung geben. Damit lässt der Staat den Verfolgungsbehörden ein Fuß in der Tür zu den privatesten Geheimnissen. Gezielt setzen vorgeblich demokratische Regierungen Software entwickelnde Unternehmen unter Druck und wollen ihre Hintertür (backdoor) eingebaut sehen. Betriebssysteme, Chatprogramme und etliches mehr dürften so auszukundschaften sein.

In Großbritannien setzen Polizei und Richterschaft den vermeintlichen Delinquenten hart zu damit er/sie das Passwort zur verschlüsselten Festplatte liefert. Wie effektiv die Verschlüsselung wirkt müssen Beamte eingestehen die monatelang

 

G+, Facebook, Diaspora – Pseudonym und anonym erwünscht?

Zur Zeit kochen die Gefühle vieler Internetnutzer. Das jüngste Baby von Ex-Suchmaschine Google, https://plus.google.com, mag keine Pseudonyme. Beim Lesen des  Blogs von Mit-Pirat Christopher Lauer taucht man direkt ein in die Unterhaltung.

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3 Kommentare zu “Internet aus Piratensicht (II)

  1. Wenn ich mich auf dieser Seite „anmelde“ und dann explizit „abmelde“. Kommt eine Meldung: „Du hast dich erfolgreich abgemeldet“.
    Wenn ich dann zum Beispiel diese Seite hier aufrufe, stehen in den Kommentarfeldern schon ausgefüllt meine persönliche Daten.

    Ein Wunder? Göttliche Eingebung? oder nur blanke Ignoranz von Piratenzielen? oder gar Unverständnis von „erfolgreich abgemeldet“ …
    Ich hoffe, dass es wohl am ehesten am Mangel an Admin-Power liegt. Eine zeitnahe Änderung wäre wünschenswert. Wer machts? DE?

    Ich sach 42, Metanormal

    • El andreaZ

      Moinmoin,

      (Aus-) Bildung ist der Schlüssel zu dem Problem. Bei vielen aktuellen Prowsern kann man den dauerhaften privaten Modus aktivieren. Dann zeigt sich das von Dir beobachtete Verhalten nicht. Cookies sind an sich nicht böse.

  2. @Metanormal

    es ist ausgeschlossen, dass dein Browser Formulardaten speichert und automatisch ausfüllt?

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