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Fußgängerampeln mit Gänselieselmotiv

Ampeln sind ein ernstes Thema, sie haben mit Verkehrswende zu tun und dienen der Steuerung des Verkehrs. So beschloss der Rat 2015 längere Grünphasen für Fußgänger und Radfahrer, damit die Attraktivität des umweltfreundlichen Fuß- und Radverkehrs erhöht wird. Eine von vielen notwendigen Maßnahmen gegen den Klimawandel.

Doch leider setzt die Verwaltung das Gegenteil davon um, und wenn man im Rat kritisch nachfragt, bekommt man noch nicht mal eine Antwort. So geschehen mit einer schriftlichen Anfrage der Piraten am 14.12.2018 im Rat, und mit einer mündlichen der Grünen im Bauausschuss am 22.08.2019.

Man kann es auch mit Humor nehmen.
Wenn die Fußgänger schon minutenlang an den roten Ampeln warten müssen, dann sollen sie wenigstens was zu sehen haben. Heißt es jetzt in der Begründung zu TOP 49 eines Ratsantrages zum 13.09.2019, in Göttingen die Fußgängerampeln mit Gänseliesel-Motiv auszustatten.
Das geschieht überall dort, wo Fußgänger weniger als 20 Sekunden Grün haben„, so der Beschlusstext.

Ampeln mit Lokalmotiven liegen im Trend, sie verleihen einer Stadt eine sympatische Note.
Emden hat einen hüpfenden Otto Waalkes, Friedberg einen rockenden Elvis und Neuruppin einen spazierenden Theodor Fontane. Die Liste lässt sich fortsetzen mit Martin Luther in Worms, Karl Marx in Trier, oder Figuren wie Mainzelmännchen (Mainz und Bad Zwischenahn) oder Kasperle (Augsburg). Andere Städte nehmen berufliche Motive, wie Bergmänner (Duisburg) oder Handwerker (Erfurt). Ein weibliches Motiv findet sich bislang nicht darunter.
Üblich sind in Göttingen das alte West-Ampelmännchen und das neuere Euromännchen, was den Nachteil einer sehr dünnen Figur im roten Leuchtfeld hat. Lichtstärker ist im Rotfeld das Ost-Ampelmännchen, dass auch in westdeutschen Städten eingesetzt wird (Kassel hat viele), und seit neuestem auch an einer Kreuzung in Göttingen zu sehen ist (Geismar Landstraße Ecke Friedländer Weg).
Nachteil des Ost-Ampelmännchens: es ist mit Hut klar als Mann erkennbar. Das bremst den Siegeszug im Westen doch erheblich. Also haben einige Städte ein dazu passendes Ampelmädchen installiert. Und das wiederum steht in der Kritik, weil das Mädchen Zöpfe hat – kein zeitgemäßes Frauenbild. Wie mans macht, ist es falsch.

Das Gänseliesel steht als historische Figur da drüber„, mogelt sich die Antragsbegründung durch.

Die Städte können sich das Motiv deswegen aussuchen, weil die „Richtlinien für Lichtsignalanlagen“ (RiLSA) in ordentlichem Amtsdeutsch nur vorgeben, dass das Leuchtfeld das Sinnbild eines „stehenden“ und „schreitenden“ Fußgängers zeigen muss. Wie die genau aussehen sollen, wird nicht explizit vorgeschrieben. Das Euromännchen wird abgebildet, das Ost-Ampelmännchen ausdrücklich erlaubt.
Zuständig für die komplizierte Motivsuche sind die örtlichen Verkehrsbehörden. Manchmal greift auch das Land gnädig ein, wie bei den Mainzelmännchen. Entscheidend ist die Sicherheit. Bei Unfällen will keine Behörde haften.
Ottifanten werden von den Behörden nicht akzeptiert, weil Ottifanten Tiere sind. Es könnte jemand vor Gericht tatsächlich behaupten, er sei kein Ottifant, oder das vielleicht sogar glaubhaft beweisen. Emden jedenfalls lehnte ab, die Ottifantenmotive wurden gecancelt, nur ein hüpfender Otto sei eindeutig.
Stuttgart wollte auch Tiere (Pferdle und Äffle) – ebenfalls abgelehnt.

Zu wenig Humor hatte das Verkehrsministerium in Niedersachsen – und verbot der Stadt Hameln Mitte 2018 glatt, eine Rattenfänger-Ampel zu installieren. Doch der Amtsschimmel in Hannover landete damit nur eine peinliche Bauchlandung, denn das Land war gar nicht zuständig. Ein Rattenfänger ist ein Fußgänger. Entscheidung und Haftung liegen bei den örtlichen Behörden [Hildesheimer Allgemeine, 25.11.2018].

Was immer noch nicht garantiert, dass die Ampeln hinterher auch funktionieren. Otto Waalkes jedenfalls beschwerte sich prompt, dass die von ihm selbst gestaltete Ampel leider gar nicht funktioniere. Bei Grün würden die Leute immer stehenbleiben – und Fotos machen.

Das minutenlange Stehenbleiben ist ja in Göttingen der neue große Trend. Wenn ein Gänseliesel so funktioniert wie ein Otto, dürfte es auf der sicheren Seite sein. Und mehr Licht im roten Leuchtfeld als das Euromännchen hat es auch. Kommt noch die Sache mit den Gänsen.

Gänse sind Tiere – was ja schon in Stuttgart und Emden schief ging. Allerdings gibt das Gänseliesel die Richtung vor, und nicht die Gans. Das dürfte die Behörden auf eine harte Probe stellen. Wird jemand, der bei Rot losging und überfahren wurde, vor Gericht behaupten können, er dachte, das gilt nur für Leute, die Gänse dabei haben? Oder kann eine Richterin darauf eigentlich nur entgegnen: „Warum haben Sie keine Gänse mitgenommen? Dann wären Sie stehengeblieben, nicht überfahren worden, und würden heute noch leben!

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